Editorial: Zum Anliegen des Heftes
Leipzig - Sportstadt mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft
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Die Olympiaplanungen Leipzigs: Sportstätten, Olympisches Dorf und Medienzentrum
Vom Rehabilitationssport zu den Paralympics
Winterzeit - Spielzeit,  Ferien mit dem Sportmuseum Leipzig
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Winterzeit - Spielzeit




Das Ferienangebot des Sportmuseums Leipzig

Eine Kindergruppe in einer Turnhalle – und trotzdem ist es mucksmäuschenstill. Nur eine zarte Kinderstimme ruft: „Jakob, wo bist du?“. Eine andere antwortet: „Hier!“. Rufende und Zuschauende probieren ein Kreisspiel aus dem 19. Jahrhundert aus und haben Freude daran wie einst ihre Urgroßeltern. „Jakob, wo bist du?“ ist ein Bewegungsspiel, bei dem die „Spielenden ... sich an den Händen (fassen) und ... einen, nicht zu engen Kreis (bilden) ... Zwei von ihnen treten mit verbundenen Augen in denselben; die Eine spielt den Herrn, die Andere den Knecht. Der Herr sucht seinen Knecht, während dieser ihm ausweicht. Der Herr ruft bisweilen: Jakob,


Der "Herr" mit seinem "Knecht" - zur eigenen Freude und der der Zuschauenden

wo bist Du? Worauf der Knecht antwortet: Hier! Indem nun der Herr leise auf den Fußspitzen dem gehörten Tone nachgeht, sucht der Knecht sich von der Stelle fern zu halten, woher der Ruf seines Herrn kam. So geht das Suchen fort, bis endlich der Herr den Knecht erwischt hat. Dann treten zwei Andere an ihre Stelle ...“ (1, S. 9).

Die Kinder vom Kinderhaus Schönau waren der Einladung des Sportmuseums Leipzig, während der Winterferien 2003 in der Turnhalle des Leipziger Uhlandgymnasiums dieses und andere historische Spiel(e) kennen zu lernen, gefolgt. Manch einer hatte anfangs zwar gezweifelt – „Ob die alten Spiele nicht langweilig sind?“ –, aber nachdem man bei „Drei Bälle machen die Runde“ das Fangen verschieden großer Bälle geübt und beim rasanten „Burgball“ gelernt hatte, sein Domizil zu verteidigen, war „der Bann gebrochen“. „Noch mal!“ und „Das macht Spaß!“ hallte es durch die Turnhalle. Die Lust, alte Spiele wieder zu entdecken, war geweckt ...
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Nun waren Kondition und Geschick gefragt – die pädagogische Mitarbeiterin des Sport­museums Leipzig rief die Kinder zum Springen mit dem großen Schwungseil. Während sie gemeinsam mit ihrer Tochter Ulrike das Tau durch die Luft schwang, ermunterte sie die Ferienkinder, einen Hüpfrekord aufzustellen. Immer wieder wurde von Neuem gezählt: „Verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden – wie viel Kinder willst du kriegen? 1, 2, 3, ...“. Die ausdauerndsten und geschicktesten Springer „bekamen“ mehr als 30 Kinder.
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Dass die Kinderspiele ihrer Urgroßeltern aber nicht nur voller Bewegung, sondern auch voller Spannung sind, konnten die Mädchen und Jungen beim „Topfschlagen“ erleben. Wer entdeckt das im Raum versteckte Gefäß am schnellsten? Und zwar mit verbundenen Augen und nur „ausgerüstet“ mit einem Kochlöffel, Quirl o. ä. Um sich orientieren zu können, wird der Suchende mit den Rufen „Heiß!“ (für richtig) oder „Kalt!“ (für falsch) angefeuert. Wer sich erfolgreich zum Topf „durchgeschlagen“ hat, darf das darunter verborgene Geheimnis lüften. Was ist es diesmal? Ein bunter Holzkegel ... Manche Kinder wussten sofort, dass das ein Kreisel ist, den man mit einer Peitsche zum Drehen bringen kann. Und das wurde natürlich sofort ausprobiert! Auch wenn der Kreisel nicht immer das machte, was die Kinder wollten – alle „Kreiseltreiber“ waren mit Spaß bei der Sache und entdeckten für sich „ganz nebenbei“ ein neues, tolles Bewegungsspiel.
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Altbekannt und immer noch beliebt: 
das Topfschlagen. 
Vor allem wenn es einen "Finderlohn" gibt...
Wer nun meint, alte Kinderspiele seien nur etwas für die Kleinen, der irrt. Auch die anwesenden „Großen“ – sechs Mädchen im Alter von 13 Jahren – waren vom Spieleangebot des Sportmuseums Leipzig begeistert. Zu ihrem Favoriten wurde das „Reifenfangen“, ein Spiel, bei dem sich die Spieler(innen) einen oder mehrere Reifen von rund 30 cm Durchmesser zuspielen. Sowohl zum Werfen als auch zum Fangen wird ein kleines, handliches Stöckchen von etwa 50 cm Länge verwendet, das schnell und gezielt bewegt werden muss, will man ein Herunterfallen des Reifens vermeiden. Die „jungen Damen“ in der Turnhalle des Uhlandgymnasiums lernten rasch und freudig und bestätigten damit, was Pädagogen und Leibeserzieher schon vor mehr als hundert Jahren feststellten:  „Das Reifenfangen ist 
Auch Kreiseln will gelernt sein! Wer aber mit Spaß 
an die Sache geht, hat den "Dreh" schnell raus.

nicht nur ein recht unterhaltendes Spiel, sondern es ist auch zugleich eine hübsche Leibesübung und namentlich wohlgeeignet zur Erweckung des Sinnes für Grazie und Eleganz der Körperhaltung. Es wird daher auch gern von Erwachsenen gespielt und empfiehlt sich besonders auch für Mädchen“ (2, S. 71).

Ist mit der Winterzeit nun auch die Spielzeit vorbei? Keineswegs. Die Planungen für die Sommerferien laufen bereits, und schon jetzt laden die Mitarbeiter des Leipziger Sportmuseums Jung und Alt ein: „Komm, spiel mit mir! Alte Spiele – wiederentdeckt“.

Silke Eskandari

 

Literatur

1       Bircher, E.: Jugend- und Turn-Spiele für Knaben und Mädchen nebst einer Anzahl von Gesellschaftsspielen. – Rostock, 1883. – 72 S.

2       Lausch, E.: 137 Spiele im Freien (Bewegungsspiele) für die Jugend (Knaben und Mädchen). – Wittenberg, 1887. – 94 S.

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