| Editorial |
| Das
Buchprojekt "Historische Sportstätten in Leipzig" |
| Groß
Keglerheim Leipzig, Elsterstraße 22 - 24 |
| Bootshaus,
Nonnenstraße 23 |
| Poseidon-Bad,
Friedrich-Ebert-Straße |
| 75 Jahre
Sportwissenschaft in Leipzig |
| Die Bob-
und Rodelbahn in Altenberg |
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| Groß-Keglerheim
Leipzig, Elsterstraße 22 - 24 |
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„Fünfundvierzig
Bahnen – in einem Haus!!
Fordern euch zum Spiel und zum Kampf heraus.
Erfüllt ist des Keglers schönster Traum –
Licht, Luft und Sonne durchfluten den Raum.
Dem Kegelsport ein neuer Tempel erstand –
wo Kraft und Schönheit sich reichen die Hand.
Europas größtes Keglerheim – ist erbaut!!
Kommt und schaut!“
(Naumann)
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Der
25. Mai 1930 wird in der Geschichte des deutschen
Kegelsports für alle Zeiten eine bedeutsame Rolle
spielen, wurde doch an diesem Samstag in Leipzig das bis
dahin größte Keglerheim Deutschlands seiner Bestimmung
übergeben. Die Weihrede hielt der 1. Vorsitzende des Sächsischen
Keglerbundes, Karl Schneider aus Dresden. Mit bewegenden
Worten machte er darauf aufmerksam, dass das alte, 1896
erbaute Heim in der Nordstraße 17 damals als erste Stätte
des Kegelsports in Deutschland geweiht worden sei und dass
Leipzig nun erneut die besondere Ehre für sich in
Anspruch |
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nehme,
das größte, schönste und einwandfreieste Keglerheim des ganzen
Reiches erbaut zu haben. Leider hatte Leipzig diese exponierte
Stellung nur wenige Monate inne, da im Herbst des gleichen Jahres
Hamburg das größte Keglerheim in Deutschland fertig stellte und
in Betrieb nahm.
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Stadtteil:
Stadtmitte
Standort:
in der zweiten Hälfte der Elster-
straße,
vom Waldplatz zur
Käthe-Kollwitz-Straße
(früher Promenadenstraße)
führend
Areal:
3.100 m², davon 1.512 m²
für Kegelheim
Grund
und Boden:
1928 nach Kauf Eigentum des
Verbandes Leipziger Kegelklubs
(jurist. Person)
Erbaut:
1881 als Reithalle
1929/30 Umbau zum
Groß-Keglerheim
Grundsteinlegung:
15. September 1929
Eröffnung:
im Rahmen einer Sportwoche
vom 25. Mai bis 1. Juni 1930
Entwurf:
Architekt Adolf Warenstorff, B.D.A.,
bekannt durch seine
Großgaragenbauten
Ausführung:
Bauunternehmen Eduard Steyer,
Kegelbahn: H. Ahlborn sen.,
15 weitere kleine Unternehmen
Kostenaufwand:
1.224.000 RM
Größe
des Kegelhauses:
36,00 x 42,00 m = 1.512 m²
Ausstattung:
45 Bahnen
Aktuelle
Situation:
Eröffnung von „Europas modernster
Kegelsportanlage“ mit 10 neuen
Bahnen am 30. 6. 2000
Heimstätte
des
Postsportvereins Leipzig e. V.
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Ungeachtet dessen war und blieb die in der
Elsterstraße 22-24 geschaffene Sportstätte – sowohl was ihre Architektur als
auch was ihre Ausstattung betrifft – ein ganz besonderes, einmaliges Objekt.
„Obwohl in der Reihe der anderen Häuserfronten kaum sichtbar, überrascht doch
dieser Neubau mit einer in jeder Hinsicht sachlich-modernen Architektur, an
deren Gelingen das Bauunternehmen Eduard Steyer einen nicht geringen Anteil
hat. Recht stimmungsvolle Malereien, die im ganzen Hause großes Entzücken
bilden, führte die Firma Heiseler & Wildenhain aus. In die Lieferung des
Belages für alle Räumlichkeiten teilten sich das Linoleumhaus Stirnemann &
Krausche sowie die Firma Johannes Götze. Das Legen der elektrischen Leitung
übernahm die Firma Erich Stolzenburg, Elektrizitätsanlagen für Licht und Kraft.
Die Ausführung verschiedener Verglasungen lag in den bewährten Händen der
Bauglaserei Franz Burger, während die Ent- und Belüftungsanlage, die
vollständig einwandfrei arbeitet, durch die Spezialfirma E. Winkelmüller in
Betrieb gesetzt wurde. Zu erwähnen sind fernerhin die Firmen Grosse &
Schade, die sämtliche Fenster der Sporthalle, 250 Quadratmeter Glasdecke sowie
die Verschlüsse der Kegelstuben ausführte, weiterhin Kunst- und Bauschlosserei
Kersten & Krywes, die eine eiserne Wendeltreppe einbaute, und schließlich
die Schlossermeisterei Robert Wolf & Sohn, die in gleicher Weise am
Innenausbau beteiligt war. Die großen Kegelbahnen, über die in den nächsten
Tagen die Kugel erstmalig rollt, wurden durch die Zimmereigeschäfte Hermann
Grabe und H. Ahlborn sen. eingebaut. Die buntfarbigen Lampen für die
Signalanlage war(en) das Verdienst der bewährten Firma Köberling & Co. Die
Kunst-Möbel- und Bautischlerei Karl Friedrich, desgleichen die Bauglaserei und
Tischlerei R. Frühauf trugen wesentlich durch wirkungsvolle Arbeiten zur
Ausgestaltung des Heims bei. Für das leibliche Wohl aller Sportler sorgt die
Bewirtschaftung Keglerheim, deren Inhaber Paul Schröter eine vorzügliche Küche
zu angemessenen Preisen zu bieten weiß. Daselbst fand auch die komplette
Küchenanlage des Keglerheims, geliefert von der seit 1888 bestehenden bekannten
Firma Theodor Fritzsche Aufstellung. Durch die Inbetriebnahme der „Deob“
(Bauten-Schnelltrockner) durch die Firma C. Richard Kunze war es möglich, den
Neubau in so kurzer Zeit zu vollenden, der bald ein Juwel für die gesamte
Keglerwelt bilden und durch dessen Hallen oft ein kräftiges „Gut Holz“ brausen
möge.“
Was die „Neue Leipziger Zeitung“ vom 25. 5. 1930 so ausführlich
beschrieben hatte, konnte sich in der Tat sehen lassen: Der
einzigartige Neubau beherbergte im Erdgeschoss elf
Asphaltbahnen, die als Gesellschaftsbahnen getrennte
Kegelstuben besaßen. Im ersten Obergeschoss befand sich die
große Sporthalle mit 13 Asphaltbahnen, zwei Bohlen-, zwei
Scheren- und einer Zehnkegelbahn, die sich über die ganze
Breite und Tiefe des Raums erstreckten. Vor den
Sporthallenbahnen lagen neun geräumige Kegelstuben (für je
zwei Bahnen rechnete man eine Stube). Auch das Geschäftszimmer
sowie der Wasch- und Duschraum befanden sich auf dieser
Ebene. Das hohe Mittelschiff mit freitragendem Dach, das die
Innenarchitektur des ersten Obergeschosses bestimmte, wurde
durch zwei Seitenschiffe in Geschosshöhe flankiert. Über
diesen Seitenschiffen erhoben sich noch Aufbauten in
zweifacher Geschosshöhe mit je vier, also insgesamt 16
Bahnen. In jedem Geschossteil lagen je zwei Einzel- und eine
Doppelbahn, darunter eine Scheren- und eine Bohlenbahn (deren
Ausstattung mit Kegelstuben der des Erdgeschosses
entspricht). Zwischen den Aufbauten befand sich eine 15 m
breite und 5 m tiefe Zuschauertribüne. |
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Die Kegelsporthalle im 1.Obergeschoss
um 1930
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Seit dem 30.6.2000 schieben die
Postkegler hier die Kugel |
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Nach
der offiziellen Weihe des Keglerheimes entwickelte sich in seinem
Inneren ein munteres Kegel- und Vereinsleben, das erst durch die
anglo-amerikanischen Luftangriffe vom 4. Dezember 1943 sowie vom
20. Juni und 30. November 1944 gestoppt wurde. Zu den
herausragenden Veranstaltungen jener Jahre zählen die 10.
Deutschen Keglermeisterschaften vom 16. bis 18. Juli 1932, der 5.
Länderkampf Deutschland – Ungarn am 7. Juli 1940, die jährlich
stattfindenden territorialen Meisterschaften, die zentralen Wettkämpfe
des Gaus Sachsen sowie diverse Preiskegel- und Stiftungsfeste und
Juniorenwettkämpfe.
Dass
zum Gelingen dieser Veranstaltungen namhafte Einzelkegler bzw.
Mannschaften beitrugen, versteht sich von selbst. Erwähnt werden
müssen in diesem Zusammenhang: Woldemar Grüneberger, der erste
Leipziger, der eine deutsche Kegelmeisterschaft gewann (Sieger bei
den 10. Deutschen Kegelmeisterschaften 1932 auf der
Internationalen Bahn, heute Bowlingbahn), das Leipziger Männerteam,
das 1934 und 1935 bei den Deutschen Meisterschaften auf Asphalt
siegte, die Leipziger Frauenmannschaft, die sich 1934 den
Meistertitel holte (den ersten im Kegelsport überhaupt, da erst
von diesem Jahr an Frauen für die Wettkämpfe zugelassen waren)
und dies 1939 wiederholte, und natürlich die Leipziger Senioren,
die 1939 auf Asphalt zu Meisterehren kamen. In den einzelnen
Siegermannschaften kämpften solche herausragenden Sportler wie
Arnold, Grüneberger, Jentzsch, Knötzsch, Kretzsch, Lammel,
Lehmann, Schmelzer, Tasche und Winter (Männer, Asphalt, 1934 bzw.
1935) oder wie Albert, Hofmann, Munkelt, Pfundheller und
Rosenkranz (Frauen, Asphalt, 1935).
Obwohl
die Vereinigung Leipziger Kegler e. V. in ihrem Statut von 1885
unter Paragraph 1 zu stehen hatte: „Der Lokalverband bewacht die
gesellige Vereinigung Leipziger Kegelklubs und die Förderung des
Kegelspiels. Politik ist ausgeschlossen.“, holte die
nationalsozialistische Realität den Leipziger Kegelsport ein.
Braune Horden bemalten Kugeln mit Hakenkreuzen und Kegel mit
Juden- oder Russensternen und demonstrierten auf diese Art, was
sie unter wertem und unwertem Leben verstanden ..
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Mit
dem Beginn des II. Weltkrieges kam der Kegelsport in Leipzig immer
mehr zum Erliegen, und auch das Groß-Keglerheim verlor in
zunehmendem Maße an Bedeutung – fast alle Männer waren ja an
der Front. Schließlich verwüsteten anglo-amerikanische
Luftangriffe am 30. November 1944 die Leipziger Elsterstraße so
sehr, dass sie kaum noch wiederzuerkennen war. Auch das Keglerheim
war bei den Bombenabwürfen stark in Mitleidenschaft gezogen
worden. Es verblieb bis zum Kriegsende im Zustand der Verrottung.
Nach
1945 wurde das Hinterhaus wieder instand gesetzt und als Gaststätte
mit großem Saal, Gästezimmern und einigen Kegelbahnen genutzt.
Über dem ehemaligen Keller des Vorderhauses wurde eine Terrasse
errichtet, der Keller selbst für Lagerräume der Gaststätte
hergerichtet. 1954, das Jahr der Hochwasser-Katastrophe, führte
zu neuen Schäden am Gebäude (Keller und Kegelbahnen) und zu
neuen Aufräumarbeiten. Unter dem Namen „Haus Leipzig“ wurde
der Komplex Elsterstraße 22-24 schließlich zu einem Gaststätten-,
Tagungs- und Vergnügungslokal, ehe es sich in den 60er Jahren als
Zentraler Klub der Jugend und Sportler „Artur Becker“
etablierte. Bis zum Jahre 1989 wurden von den noch verbliebenen
zehn Kegelbahnen sieben für den Freizeitkegelsport genutzt.
Ein
neues Kapitel in der Leipziger Kegelsportgeschichte wurde mit dem
30. Juni 2000 eingeläutet: Die Kegler des Postsportvereins
Leipzig e. V. nahmen an diesem Tage von ihrer zu Europas
modernster Kegelsportanlage umgebauten Sportstätte Besitz. Dass
diese sich an einem für den Kegelsport historischen Ort befindet,
mag ein ebenso gutes Omen sein wie die Tatsache, dass die im
Untergeschoss befindlichen und Bowlingbahn-Verhältnissen
angepassten zehn Asphaltbahnen sowohl für einen geregelten
Trainings- und Wettkampfbetrieb als auch für einen ungetrübten
Freizeit-Spaß errichtet wurden. In diesem Sinne: „Gut Holz!“
Hans-Jürgen
Jantz
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