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Stadtteil:
Mitte
Standort:
Gelände längs der Straße "An der alten
Elster" (später Hindenburg-, dann
Friedrich- Ebert-Straße) zwischen Kolmarer Straße
(jetzige Goyastraße)
und Leutzscher Allee, unmittelbar bis
zum Elstermühlgraben
Areal:
18.500 m²
Grund und
Boden:
städtisches Eigentum, Pachtland
Erbaut:
1926
Eröffnung:
20. Juni 1926
Architekten:
Kurt Müller, Walter Vaas (Leipzig)
Bauherr:
Poseidon Badbau-GmbH
(gegründet: 15. 12. 1925)
1. Leipziger Schwimm-Club
Poseidon von 1900 e. V.
Bauausführung:
Firma C. Brömme,
Hoch-, Tief-, Eisenbetonbau (Leipzig)
Kostenaufwand:
unbekannt
Größe
des Beckens:
1 Becken, durch eine hölzerne Brücke
in 2 Flächen von 100,00 x 22,00 m
(für Schwimmer) und 30,00 x 22,00 m
(für Nichtschwimmer) unterteilt, sowie
ein Planschbecken („Babybädchen“)
Ausstattung:
Sprungturm, Sandstrand, beiderseits des Beckens terassenförmig
aufgebaute Zuschauerplätze, Liegewiesen, Umkleide-
kabinen, Spielplatz mit Turngeräten, Gast- wirtschaft
bzw. Vereinskantine mit Frei- sitzen, Aborte
Besonderheiten:
Frischwasserzufuhr für Schwimmbecken durch
Untermulden-Wasserstrom, der als Grundwasser aus der
Beckensohle hervor- strömte Flusssand als Boden- belag
der Becken
Umbauten:
Ersatz der unzulänglichen Zugangswege zum Bad durch neue
gepflasterte Straßen 1928/29
Aktuelle
Situation:
Abbruch der Badeanstalt zwischen 1946 und 1948 am Standort
jetzt Lager- und Abstellplätze der Stadtreinigung |
Schwimmer
wie Kurt Eckstein, Eberhard Koppen, und Herbert Heinrich,
elffacher Deutscher und zweifacher Europameister in den
20er Jahren, oder die Weltrekorddamen Erna Murray,
mehrfache deutsche Meisterin und Weltrekordinhaberin im
Brustschwimmen 1925, sowie Herta Wunder – im Verein
liebevoll „Unser großes Wunder“ genannt –, hatten
hier ihre Heimstatt. Herta Wunder startete mit 15 Jahren
bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam, wo sie mit
der deutschen 4 x 100-m-Damenstaffel den 4. Platz belegte.
Bei den bereits genannten Schwimmfesten mit
internationaler Beteiligung war z. B. am 21. August 1928
die japanische Schwimm-Olympia-Mannschaft mit dem
Weltmeister Tsuruta zu Gast, während am 17. Juli 1930 die
ungarische Nationalmannschaft im Poseidon-Bad weilte. In
ihren Reihen war mit Dr. István Bárány der damals
schnellste 100-m-Schwimmer der Welt vertreten.
Das
Poseidon-Bad war jedoch nicht nur eine Trainings- und
Wettkampfstätte für die Schwimmsportler, sondern auch
ein von der Leipziger Bevölkerung bevorzugtes öffentliches
Familien- und Freizeitbad. In den Sommermonaten lud es von
6.00 Uhr bis 20.00 Uhr zum Baden und Erholen ein. Die
Besucher wussten die besonderen Vorzüge des Freibades –
seine landschaftlich reizvolle und windgeschützte Lage
sowie den herrlichen Baumbestand – zu schätzen. Auch jüdische
Mitbürger Leipzigs gehörten zu den Badegästen. An vier
Wochentagen stand das Poseidon-Bad jeweils bis 17.00 Uhr
den Leipziger Schulen unentgeltlich zur Verfügung.
Ein
weiterer und ganz besonderer Vorzug des Poseidon-Bades
war, dass die Neufüllung der Schwimmbecken (nach deren
vollständiger Leerung) nicht etwa durch den gleich neben
dem Bad fließenden Elstermühlgraben erfolgte, sondern
durch den Untermulden-Wasserstrom, der als Grundwasser in
unzähligen Quellen durch den Bodenkies drang. Von
ärztlicher Seite wurde mehrfach auf den belebenden und
stärkenden Einfluss des stark eisenhaltigen und daher
gelblich gefärbten Wassers auf den menschlichen
Organismus hingewiesen. Man hat die Erbauer des Bades
damals sogar beglückwünscht, mit dem Poseidon-Bad in
Leipzig einen vollwertigen Ersatz für teure Eisenbäder
geschaffen zu haben.
Die
rührige Verwaltung des Poseidon-Bades scheute keine
Mühe, um allen Wünschen – auch denen der
verwöhntesten Besucher – gerecht zu werden, und sorgte
sich daher in vorbildlicher Weise um alle Voraussetzungen,
die für ein belebendes Bad in Licht, Luft, Sonne und
Wasser unerlässlich sind. Dazu gehörten neben der
regelmäßigen Säuberung der Schwimmbecken und
Strandanlage – für die immer wieder neuer Sand
herbeigeschafft wurde – auch die Beseitigung von
Frostschäden an Bäumen und Strauchwerk durch fachkundige
Gärtner. Auch an die Bedürfnisse der kleinsten Besucher
wurde von Anfang an gedacht: Dem Nichtschwimmerbecken war
ein Planschbecken, auch „Babybädchen“ genannt,
vorgelagert, in dem sich die Jüngsten nach Herzenslust
tummeln konnten. Und zum Spielen fanden sich große Mengen
feinsten Sandes.
In der warmen Jahreszeit wurden im Poseidon-Bad die
beliebten Rosenabende, Pfingstpartien, Sonnenwendfeiern,
Sommer- und Herbstfeste sowie auch spezielle
Kinderveranstaltungen durchgeführt. Während sich die
Kleinen bei Eierlaufen, Sackhüpfen, Armbrustschießen und
ähnlichen Spielen vergnügten, nutzten die Erwachsenen
die Angebote zum Tanz im Freien, Preiskegeln und
Preisschießen sowie zu Skatturnieren oder
feuchtfröhlichen Herrenkommersen. Für eine entsprechende
Beköstigung der Gäste war durch die auf dem Badgelände
befindliche Gastwirtschaft mit ihren schattigen Freisitzen
und zahlreiche „Milch- und Würstchen-Pavillons“ im
angrenzenden Wald ebenso gesorgt wie für Belustigungen
„am Rande“, von denen hier nur die Tombolas oder die
Lampionlichterfeste zu später Stunde genannt sein sollen. |