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Es
war mehr als eine Jubiläumsfeier, die am 8. Dezember 2000 im Großen
Hörsaal der Sportwissen- schaftlichen Fakultät der Leipziger
Universität stattfand. Und der Anlass war nicht nur von lokaler
Bedeutung. Denn eindrucksvoll bestätigte der Rückblick auf 75
Jahre, dass die Sportwissenschaft als Ganzes im Vergleich mit
anderen Wissenschaften auf einem historisch relativ kurzen Weg
ihren Identitätsbeweis erbrachte, der in ihren vielgestaltigen
wissenschaftlichen Leistungen zum sportpraktischen Nutzen seinen
Ausdruck fand. Der Rückblick in den Begrüßungsreden zahlreicher
Gäste und die Vorträge konzentrierten sich auf drei Etappen der
Geschichte der Sportwissenschaft in Leipzig.
Von
1925 bis 1943/44 zählte das Institut für Leibesübungen der
Universität Leipzig, dessen Direktor Hermann Altrock die erste
Professur für Leibesübungen an einer deutschen Universität
erhielt, zu den bedeutendsten und größten Ausbildungsstätten für
Leibesübungen in Deutschland. Das Wirken des Instituts in Lehre
und Forschung fand ein starkes internationales Interesse und führte
auch zur Achtung und Anerkennung seitens der etablierten
traditionellen universitären Wissenschaftszweige.
1950
wurde die Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) als
zentrale Lehr- und Forschungsstätte des Sports in der DDR gegründet.
Sie übernahm noch im gleichen Jahr die Ausbildung der
Schulsportlehrer, richtete 1963 eine zentrale Informations- und
Dokumentationsstelle für die Sportwissenschaft ein, begann 1964
mit den Internationalen Trainerkursen (ITK), an denen Studierende
aus über 120 Ländern teilnahmen. 1969 konstituierte sich aus der
ausgegliederten Forschungsstelle und beträchtlichen Teilen der
Sportmedizin das selbstständige Forschungsinstitut Körperkultur
und Sport (FKS). 1990 begann die Abwicklung der DHfK. Betont wurde
von allen Rednern, dass die in 40 Jahren durch die DHfK gewonnenen
sportwissenschaftlichen Erkenntnisse viel stärker als bisher zum
Nutzen des deutschen Sports Beachtung finden müssten.
Die
Gründung der Sportwissenschaftlichen Fakultät mit fünf
Instituten 1993 leitete nicht nur die dritte Etappe der Geschichte
der Leipziger Sportwissenschaft ein, sondern es begann – wie
viele Redner besonders hervorhoben – die „Heimkehr“ in die
Universität, die „Rückintegration in die Alma mater Lipsiensis“.
Die Fakultät erfreut sich seither bei anhaltend starker Nachfrage
von Studienbewerbern wegen ihrer wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit
großer Anerkennung, auch international, vor allem auch wegen der
Fortsetzung der Weiterbildung von Sportlehrern und Trainern der
Dritten Welt.
Bemerkenswert
an der Jubiläumsveranstaltung war die komplexe Sicht auf die
Wirkungsweise der Leipziger Sportwissenschaft, auf die Kooperation
der Sportwissenschaftlichen Fakultät mit mutterwissenschaftlichen
Disziplinen der Universität, mit dem Institut für Angewandte
Trainingswissenschaft (IAT), der Nachfolge- institution des
ehemaligen FKS, mit dem Sportmuseum Leipzig und mit der
Sportpraxis nicht nur in der Region.
Die
Atmosphäre der Jubiläumsveranstaltung und der substantielle
Gehalt der Vorträge bestärkten die Leipziger
Sportwissenschaftler und -studenten und ihre zahlreichen Gäste in
der Überzeugung, die der Festredner Prof. Dr. Klaus Willimczik
(Universität Bielefeld) in seinem anspruchsvollen und anregenden
Vortrag über die „Perspektiven der Sportwissenschaft auf der
Grundlage der reinen und der praktischen Vernunft“ vertrat: Die
großen Veränderungen im neuen Jahrhundert auf allen Gebieten des
gesellschaftlichen Lebens allgemein und des Sports speziell
stellen auch an die Sportwissenschaft hohe Anforderungen, die ihr
einen unverzichtbaren Platz in der wissenschaftlichen Welt
bestimmen.
Prof.
Dr. Günter Witt |