| Editorial |
| Das
Buchprojekt "Historische Sportstätten in Leipzig" |
| Groß
Keglerheim Leipzig, Elsterstraße 22 - 24 |
| Bootshaus,
Nonnenstraße 23 |
| Poseidon-Bad,
Friedrich-Ebert-Straße |
| 75 Jahre
Sportwissenschaft in Leipzig |
| Die Bob-
und Rodelbahn in Altenberg |
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| Die
Bob- und Rodelbahn Altenberg |
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| . |
| 15
Jahre steht sie nun schon, die Bahn in Altenberg. Die rasche und
konstante Entwicklung des Rodel- und Bobsportes in der ehemaligen
DDR war Anlass, neben Oberhof eine weitere Bahn in den Jahren 1982
bis 1986 im Erzgebirge zu errichten. Auf einen Nordosthang in
unmittelbarer Nähe des kleinen Ortes Hirschsprung fiel die
Standortwahl. Da aber auf normal gebräuchlichen Straßenkarten
der Ort Hirschsprung nur sehr schwer zu finden ist, erhielt die
Bahn den Namen der in ca. 5 km entfernt gelegen Kreisstadt
Altenberg. (Verwechslungen mit dem sächsischen Altenburg hat es
in den Anfangsjahren allerdings gegeben.)
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Planung:
Wissenschaftliches-Technisches Zentrum
Sportbauten Leipzig
Kältetechnik:
VEB Maschinenfabrik Halle
(Planung und Ausführung)
Bautechnische Realisierung:
VEB Bau- und Montagekombinat
Kohle und Energie Dresden
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Hinter
dem Namen verbirgt sich ein ganzer Komplex: die Bahnanlage
als Wettkampf- und Trainingsstrecke, eine in unmittelbarer
Nähe im Wald gelegene Sommerrodelstrecke, ein am
Ortsrand von Altenberg erbauter Komplex mit künstlich
vereisten Startübungsanlagen (überdacht), jeweils für
Bob und Rodel getrennt, sowie eine Sporthalle für Kraft-
und Lauftraining und, dazu gehörig,
Übernachtungsmöglichkeiten
für ca. 40 Sportler.
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Künstlich
unterkühlte Bahnen ermöglichen eine längere und witterungsunabhängigere
Nutzungszeit. Man kann somit von Oktober bis in den März hinein
auf Eis fahren. Für die Bahn in Altenberg wurde das seinerzeit
speziell für Oberhof entwickelte Konstruktionsprinzip wieder
verwendet. Das heißt: In einer 13 cm dicken, dem Kurvenquerprofil
entsprechenden Stahlbetonschale sind alle 9 cm Stahlrohre
(Durchmesser 32 mm) eingebettet. Durch diese Rohre wird das Kältemittel
Ammoniak gepumpt, das dann dem umgebenden Beton die Wärme
entzieht. Sprüht man dann auf diesen unterkühlten Beton Wasser,
wird dieses zwangsläufig zu Eis. Für die 1,6 km lange Strecke
benötigt man dazu ca. 80 km Kühlrohre und ca. 45 m³ Ammoniak.
Ein in direkter Nähe gelegenes Maschinenhaus sorgt für die nötige
Unterkühlung des Ammoniaks.
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Grundprinzip
bei der Planung einer solchen Sportstätte ist es, die
Bahn optimal an das vorhandene Gelände anzupassen. Dieses
Prinzip wird nur dann verlassen, wenn funktionelle Gründe
(Kreuzung von Wegen) dies erforderlich machen. Dass das in
Altenberg teilweise nicht ganz gelungen ist, war schon
damals dem Geld, allerdings auch den technischen Möglichkeiten
geschuldet.

Die Altenberger Bob-
und Rodelbahn im Bau. Kurve 9 kurz vor der Betonierung
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Der
Bahnverlauf wird durch eine Folge von Kurven bestimmt, die zum
einen dem internationalen Reglement entsprechen müssen und zum
anderen in Richtung und Größe vom betreffenden Gelände
beeinflusst werden. Somit waren die einzelnen Kurven und
Kurvenkombinationen (Folge von Rechts-Rechts-Kurven,
Links-Links-Kurven, Links-Rechts-Kurven als „Labyrinth“,
attraktive Zielkurve etc.) dem vorhandenen Geländeprofil
anzupassen.
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Bob-
und Rodelbahn Altenberg
Allgemeine
Parameter
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Bob
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Rodel
Herren
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Rodel
Damen/
Rodel Doppel
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Wettkampflängen
(in m)
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1.413,10
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1.220,60
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996,30
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Durchschnittsgefälle
(in
%)
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8,14
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7,68
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7,82
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Anzahl
der Kurven
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17
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16
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12
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maximale
Geschwindigkeit (in
km/h)
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135
|
125
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115
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Höhendifferenz
(in
m)
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126
|
114
|
95
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Neben der Bahn sind dann noch eine ganze Reihe von Gebäuden
(Starthäuser, Zielgebäude, Maschinenhaus, Trafostation, Gebäude
für eine Notstromaggregat) sowie weitere technische Anlagen
entstanden. Dazu gehören die Straße unmittelbar neben der Bahn,
die Zeitmessung, die Beleuchtung, die Wasserversorgung, die
Sicherheitsüberwachung per Kameras, der Witterungsschutz usw.
Die
Altenberger Bahn zeichnet eine Reihe von Besonderheiten aus: Im
Bahnverlauf sind drei ansteigendende Gefällestrecken enthalten
(Bereich Kurve 4-5, in Kurve 10, Bereich Kurve 14-15), die eine
Reduzierung der sonst üblicherweise ansteigenden Geschwindigkeit
ergeben und damit vom Sportler besondere Aufmerksamkeit verlangen,
um entsprechende Fahrfehler zu vermeiden. Die in der Mitte der
Bahn gelegene große Kurve – allgemein Kreisel genannt, da sich
die Fahrtrichtung um ca. 350° verändert – entspricht nicht den
Kurven gleicher Art in anderen Bahnen. Das ist zum einen auf die
bereits erwähnte Änderung in der Gefällerichtung in der
Kurvenmitte zurückzuführen und zum anderen darauf, dass kein –
wie sonst üblich –konstanter Radius der Trasse zu Grunde gelegt
wurde, sondern der veränderliche Radius einer Spirale. In
Verbindung mit der Fahrgeschwindigkeit und dem damit verbundenen
Anpressdruck machen diese geometrischen „Spielereien“ die Bahn
technisch anspruchsvoll und interessant.
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Und
die Bahn hat noch etwas Besonderes, eine Geschichte, die
einen – wie man so schön sagt – lachen und weinen lässt:
Der von der damaligen Sportführung geforderte Bau der
Bob- und Rodelbahn war auf der einen Seite eine sehr
ehrgeizige Aufgabenstellung und auf der anderen Seite eine
sehr geheime. Diese Geheimniskrämerei führte letztlich
dazu, dass die sonst bei solchen Bauvorhaben übliche
Teamkontrolle nicht möglich war. Es wurde einfach gebaut
... Nach Fertigstellung der Bahn stellte sich dann aber
heraus, das die Sportler die „gestellte Aufgabe“ nicht
lösen konnten. Nach einer Test-Saison musste schließ-
lich umgebaut werden. Aus dieser Panne
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Kurven
16 und 17 nach der Betonierung |
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die
entsprechenden Schlussfolgerungen ziehend, wurde das ingenieurmäßige
Prüfsystem „wieder“ eingeführt. Die durchgeführten Tests
und deren Ergebnisse erwiesen sich als eine ausgezeichnete
Kontrollmöglichkeit für die vorhandenen Rechenprogramme
einschließlich ihrer Interpretation. Heraus kam ein ingenieurmäßiges
Wissen, das in dieser Art auf der Welt wohl einmalig ist.
Der
Umbau der Sportstätte war so erfolgreich, dass die Bahn in
Altenberg, natürlich unter Berücksichtigung der üblichen
Sicherheitsvorkehrungen, nun als schwierigste und technisch
anspruchvollste Bahn der Welt angesehen wird. Wer in Altenberg
gute Zeiten fährt, gehört zur Weltspitze im Bob- und
Rodelsport. Speziell für das Rodeltraining verfügt die Bahn über
einen zusätzlichen, und zwar um 6 m erhöhten Start. Durch ihn
vergrößert sich die Anfangsgeschwindigkeit um ca. 15 km/h, und
die Bahn wird insgesamt mit deutlich höherer Geschwindigkeit
befahren. Diesen zusätzlichen Start gibt es auf keiner anderen
Bahn der Welt.
Eine weitere
Besonderheit hat die Bahn aufzuweisen: das Kuriosum der
Bremsstrecke. Man hatte diese etwas zu steil gestaltet, um sie
als Startübungsstrecke und für Tests neu zu entwickelnder Bobs
und Schlitten (hinsichtlich ihres Geschwindigkeitsverhaltens
unter realen Eis- und Lufttemperaturen) zu nutzen, hat sie aber
dann doch nie in diesem Sinne in Anspruch genommen.
Die
Geschichte hat aber ein gutes Ende, das auch die politische
Wende überdauert hat: Die Aufträge zur Projektierung von Bob-
und Rodelbahnen kamen nun aus aller Welt. Die Altenberger
Erfahrungen nutzend, wurden die entsprechenden Berechnungen und
das technische Know How dem Bau der Olympiabahnen in
Calgary/Kanada (1988), Lillehammer/Norwegen (1994), Nagano/Japan
(1998) und Salt Lake City/USA (2002) zugrunde gelegt – und das
mit Erfolg. Turin/Italien (2006) winkt auch schon am Horizont
...
Udo
Gurgel
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