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"Start"-Film
bei Olympia
1972 in München
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Am
3. November 2003 erklärte die Generalversammlung der UNO das Jahr 2005 zum „Internationalen
Jahr des Sports und der Sporterziehung“. Die 2003 erlassene Resolution 58/5
hat den Titel „Der Sport als Mittel zur Förderung der Bildung, der
Gesundheit, der Entwicklung und des Friedens“. Gemäß der „Internationalen
Charta für Sporterziehung und Sport“ der UNESCO aus dem Jahr 1978 ist der
Zugang zu Sport und sportlicher Betätigung ein allgemeines Grundrecht. Die
verstärkte Umsetzung dieses hohen Ziels verfolgte die UNO mit dieser im Forum
beschlossenen Resolution.
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Das
Leipziger Sportmuseum konnte kürzlich die Kopie eines DEFA-Films aus dem Jahr
1971 in seinen Bestand aufnehmen, der mit seinem Inhalt und seiner Aussage
diesem Anliegen sehr nahe kommt. Er gibt einen Einblick in das sportliche Leben
in der DDR Anfang der 70er Jahre und dokumentiert es in schlichten, aber
eindrucksvollen Bildern (1).
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In der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1972 in München erging an
die eingeladenen NOK der teilnehmenden Länder die Aufforderung, Filme zur
kulturellen Bereicherung dieses internationalen Sportgroßereignisses
mitzubringen, die über die sportlichen Aktivitäten der Kinder und Jugendlichen
in der Heimat der Olympiateilnehmer berichten. Damit war das Vorhaben verbunden,
diese Filme den interessierten Sportlern aus aller Welt vor oder nach ihren
Wettkämpfen im Kino des Olympischen Dorfes vorzuführen (was in der Realität
auch so geschah). Das Nationale Olympische Komitee der DDR entschied sich daher
1971, der Filmgesellschaft DEFA den Auftrag zur Herstellung eines solchen Films
mit dem Titel „START“ zu erteilen.
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Die seinerzeit international bekannten Filmregisseure und
Dokumentarfilmer Annelie und Andrew Thorndike nahmen sich mit der DEFA-Gruppe 67
dieses Auftrages an und drehten den „Olympiafilm“ im Sommer 1971 an mehreren
Orten des Harzvorlandes sowie in den Städten Quedlinburg und Thale. In sechs
Episoden erzählt der Film umfassend und weitgehend wertfrei vom sportlichen
Geschehen in diesem Teil der Republik: von der Kreis-Kinder- und
Jugendspartakiade in Thale, vom Sportalltag in den Kindergärten, vom
Sportunterricht an den allgemeinbildenden Schulen sowie an einer ausgewählten
Oberschule und auch vom Sportbetrieb in verschiedenen Sportgemeinschaften.
Gezeigt werden die für ihren Einsatz speziell ausgebildeten Erzieher, Lehrer,
Trainer und Übungsleiter in ihrem Alltag.
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„In
einer Episode des Films wird ein gewöhnlicher Schultag von Heide (Schülerin
der 12. Klasse der Erweiterten Oberschule „Hans Beimler“ Thale – d. A.)
dargestellt. Darüber braucht nichts gesagt zu werden. Unsere Bilder zeigen, was
Heides Tage ausfüllt. Was man den Bildern nicht ansieht: Heide ist vielfache
Kreismeisterin bei den Kinder- und Jugendspartakiaden
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Die
Durchschnittsnote ihres letzten Zeugnisses ist 1,2 ... Sie lacht gern und viel,
auch zu Hause, wo es in der großen Familie turbulent zugeht.“ Aber Heide ist
keine Leistungssportlerin. „Sie hat sich nicht mit Haut und Haaren der
Leichtathletik verschrieben. Heide ist eines aus der großen, nach
Hunderttausenden zählenden Schar junger Mädchen, die Sport zwar ganz groß
schreiben, ihn lieben, ihm täglich bei der Frühgymnastik und drei- bis viermal
wöchentlich auf dem Sportplatz ihren Tribut zollen, ohne sich das Ziel zu
stellen, Spitzenleistungen zu erreichen“ (2, S. 60).
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Eine
andere Episode fängt einen Lehrling aus dem Stahlwerk Thale mit der Kamera ein,
der neben seiner Lehrausbildung aktiv Boxsport betreibt.
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"Das Magazin" informiert im Heft 6/1972
über Inhalte des "Olympiafilms" von Annelie und Andrew Thorndike.
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Der
Dokumentarfilm, der die jeweilige Episode in sieben Sprachen benennt, besticht
vor allem dadurch, dass er das dargestellte Geschehen für sich sprechen lässt,
indem er sich auf den Originalton beschränkt und propagandistische Kommentare
oder gar Wertungen ausklammert. Eingeblendet werden lediglich kurze
statistische Angaben zur Bevölkerungszahl, zur Anzahl der Kindergartenkinder,
Schüler, sporttreibenden Kinder und Jugendlichen sowie zur Zahl der in
Kindergärten, Schulen und Sportgemeinschaften tätigen Erzieher, Lehrer,
Trainer und Übungsleiter.
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Wer sich den Film heute anschaut – er wurde dem Sportmuseum Leipzig auf
Videokassette übergeben, hat eine Laufzeit von ca. einer Stunde und wurde in
Farbe gedreht –, sieht sich mit einem interessanten historischen Dokument zur
sportlichen Bildung und Erziehung der jungen Generation in der DDR der 1970er
Jahre konfrontiert, das den Sportalltag der damaligen Zeit widerspiegelt und zu
Recht einen Platz im Fundus einer musealen Einrichtung beansprucht.
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Siegfried Heinrich |
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