Editorial
Geht auch das Sportmuseum "baden"? – Bericht über die Jahreshauptversammlung 2005
Sachzeugen zur Messtechnik im Sport
Aus den 1960er Jahren – Musealien zur Sprintforschung
Aus den 1970er Jahren – Chrono-Zyklo-Fotografie
Aus den 1980er Jahren – Musealien zur Boxsportforschung
"Start"-Film bei Olympia 1972 in München

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"Start"-Film bei Olympia
1972 in München
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Am 3. November 2003 erklärte die Generalversammlung der UNO das Jahr 2005 zum „Internationalen Jahr des Sports und der Sporterziehung“. Die 2003 erlassene Resolution 58/5 hat den Titel „Der Sport als Mittel zur Förderung der Bildung, der Gesundheit, der Entwicklung und des Friedens“. Gemäß der „Internationalen Charta für Sporterziehung und Sport“ der UNESCO aus dem Jahr 1978 ist der Zugang zu Sport und sportlicher Betätigung ein allgemeines Grundrecht. Die verstärkte Umsetzung dieses hohen Ziels verfolgte die UNO mit dieser im Forum beschlossenen Resolution.

Das Leipziger Sportmuseum konnte kürzlich die Kopie eines DEFA-Films aus dem Jahr 1971 in seinen Bestand aufnehmen, der mit seinem Inhalt und seiner Aussage diesem Anliegen sehr nahe kommt. Er gibt einen Einblick in das sportliche Leben in der DDR Anfang der 70er Jahre und dokumentiert es in schlichten, aber eindrucksvollen Bildern (1).
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In der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 1972 in München erging an die eingeladenen NOK der teilnehmenden Länder die Aufforderung, Filme zur kulturellen Bereicherung dieses internationalen Sportgroßereignisses mitzubringen, die über die sportlichen Aktivitäten der Kinder und Jugendlichen in der Heimat der Olympiateilnehmer berichten. Damit war das Vorhaben verbunden, diese Filme den interessierten Sportlern aus aller Welt vor oder nach ihren Wettkämpfen im Kino des Olympischen Dorfes vorzuführen (was in der Realität auch so geschah). Das Nationale Olympische Komitee der DDR entschied sich daher 1971, der Filmgesellschaft DEFA den Auftrag zur Herstellung eines solchen Films mit dem Titel „START“ zu erteilen.
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Die seinerzeit international bekannten Filmregisseure und Dokumentarfilmer Annelie und Andrew Thorndike nahmen sich mit der DEFA-Gruppe 67 dieses Auftrages an und drehten den „Olympiafilm“ im Sommer 1971 an mehreren Orten des Harzvorlandes sowie in den Städten Quedlinburg und Thale. In sechs Episoden erzählt der Film umfassend und weitgehend wertfrei vom sportlichen Geschehen in diesem Teil der Republik: von der Kreis-Kinder- und Jugendspartakiade in Thale, vom Sportalltag in den Kindergärten, vom Sportunterricht an den allgemeinbildenden Schulen sowie an einer ausgewählten Oberschule und auch vom Sportbetrieb in verschiedenen Sportgemeinschaften. Gezeigt werden die für ihren Einsatz speziell ausgebildeten Erzieher, Lehrer, Trainer und Übungsleiter in ihrem Alltag.
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„In einer Episode des Films wird ein gewöhnlicher Schultag von Heide (Schülerin der 12. Klasse der Erweiterten Oberschule „Hans Beimler“ Thale – d. A.) dargestellt. Darüber braucht nichts gesagt zu werden. Unsere Bilder zeigen, was Heides Tage ausfüllt. Was man den Bildern nicht ansieht: Heide ist vielfache Kreismeisterin bei den Kinder- und Jugendspartakiaden

Die Durchschnittsnote ihres letzten Zeugnisses ist 1,2 ... Sie lacht gern und viel, auch zu Hause, wo es in der großen Familie turbulent zugeht.“ Aber Heide ist keine Leistungssportlerin. „Sie hat sich nicht mit Haut und Haaren der Leichtathletik verschrieben. Heide ist eines aus der großen, nach Hunderttausenden zählenden Schar junger Mädchen, die Sport zwar ganz groß schreiben, ihn lieben, ihm täglich bei der Frühgymnastik und drei- bis viermal wöchentlich auf dem Sportplatz ihren Tribut zollen, ohne sich das Ziel zu stellen, Spitzenleistungen zu erreichen“ (2, S. 60).
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Eine andere Episode fängt einen Lehrling aus dem Stahlwerk Thale mit der Kamera ein, der neben seiner Lehrausbildung aktiv Boxsport betreibt.

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Das Magazin" informiert im Heft 6/1972 über Inhalte des "Olympiafilms" von Annelie und Andrew Thorndike.

Der Dokumentarfilm, der die jeweilige Episode in sieben Sprachen benennt, besticht vor allem dadurch, dass er das dargestellte Geschehen für sich sprechen lässt, indem er sich auf den Originalton beschränkt und propagandistische Kommentare oder gar Wertungen aus­klammert. Eingeblendet werden lediglich kurze statistische Angaben zur Bevölkerungszahl, zur Anzahl der Kindergartenkinder, Schüler, sporttreibenden Kinder und Jugendlichen sowie zur Zahl der in Kindergärten, Schulen und Sportgemeinschaften tätigen Erzieher, Lehrer, Trainer und Übungsleiter.
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Wer sich den Film heute anschaut – er wurde dem Sportmuseum Leipzig auf Videokassette übergeben, hat eine Laufzeit von ca. einer Stunde und wurde in Farbe gedreht –, sieht sich mit einem interessanten historischen Dokument zur sportlichen Bildung und Erziehung der jungen Generation in der DDR der 1970er Jahre konfrontiert, das den Sportalltag der damaligen Zeit widerspiegelt und zu Recht einen Platz im Fundus einer musealen Einrichtung beansprucht.

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Siegfried Heinrich

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