(Leipziger)
Frauen am (Fuß)Ball
Der Kalender zeigte
den 5. November 2003. Der Termin für unser Treffen im Sportmuseum war zufällig
gewählt, und wir selbst realisierten das Jubiläum erst bei unserer
Verabschiedung: Exakt 35 Jahre zuvor, am 5. 11. 1968, war die erste
(organisierte) Frauenfußballmannschaft in Leipzig gegründet worden. Eine
Protagonistin dieses Ereignisses kam taggenau 3 ½ Jahrzehnte später in unsere
Museumsräume. Die bis 1975 aktive Mittelfeldspielerin Waltraud Horn aus Leipzig
wurde von Rainer Hertle, dem Präsidenten des Leipziger Fußballverbandes,
begleitet. Das interessante Zusammentreffen, verbunden mit der Übergabe von
wichtigen Objekten für unsere Sammlungen, kam Dank seiner Initiative zustande.
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Bescheiden und zurückhaltend trat
Frau Horn in Erscheinung, der (berechtigte) Stolz über die damals geleistete
Pionierarbeit in Sachen Frauenfußball war in ihren Schilderungen jedoch
unüberhörbar. Das Fußballspiel hatte sie seit ihrer Kindheit nicht los
gelassen. Kaum auf eigenen Beinen stehend, hatte sie bereits als 4-Jährige
unter Anleitung ihres Vaters Paul Horn, der
als Fußballtrainer und Schiedsrichter in der BSG Motor Polygrafie Ost tätig
war, das runde Leder getreten. 1967, mit etwa 17 Jahren, hatte Waltraud Horn
erstmals beim Deutschen Fußball-Verband im DTSB angefragt, ob man eine
Frauenfußball- mannschaft gründen könne. Präsident Riedel hatte
darauf mit folgender Offerte reagiert: Wenn sie schon aktiv ins „Fußballspiel“
einsteigen will,
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Waltraud Horn trennte sich nach 35
Jahren von Objekten aus der eigenen, überaus sportlichen Jugendzeit und
übergab ihre erste Fußballbekleidung von 1968 dem Sportmuseum
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Doch Waltraud Horn ließ nicht
locker. Bestärkt durch den Vater, richtete sie Anfang Oktober 1968 eine
schriftliche Anfrage zur Gründung einer Frauenmannschaft an die BSG Chemie
Leipzig. Der dortige Sektionsleiter Fußball, Karl Plättner, antwortete eine
Woche später am 9. 10. 1968: „Der Bildung einer Frauen-Fußballmannschaft
steht die Sektionsleitung ... nicht uninteressiert entgegen. Allerdings bedarf
es hierzu doch noch einer konkreten Abstimmung mit den zuständigen
Funktionären.“ Der BSG-Geschäftsführer Georg Bloß lud Waltraud Horn per
Schreiben vom 1. November 1968 am „Dienstag, d. 5. 11. 1968 gegen 17.30 Uhr zu
einer Aussprache in unsere Geschäftsstelle im Georg-Schwarz-Sportpark“ ein.
Im Ergebnis dieses Treffens, an dem neben Waltraud Horn auch der Sektionsleiter
Fußball teilnahm, erfolgte sogleich die Gründung der ersten regulären
Frauenfußballmannschaft in Leipzig.
Das darauf folgende Quartal nutzte
Waltraud Horn, um interessierte Frauen für „ihre“ Mannschaft zu gewinnen.
Dies fiel offenbar nicht schwer, konnten doch bereits im Februar 1969 stolze 18
Teilnehmerinnen gezählt werden. Das Training fand regelmäßig am
Sonntagvormittag statt, bald folgten auch die ersten Spiele. Gegner waren u.
a. die Spielerinnen der BSG Empor Mitte-Dresden (gegründet 1968, erste
organisierte Frauenfußballmannschaft der DDR überhaupt), der BSG Pentacon
Dresden (ebenfalls 1968 gegründet, zweite Mannschaft in Dresden und in der DDR)
sowie der BSG LVB Leipzig (gegründet 1970, zweite Frauenfußballmannschaft in
Leipzig). Auch die Leutzscher Fußballerinnen erhielten damals die notwendigen
Ausrüstungsgegenstände von ihrer Sportgemeinschaft und wurden
traditionsgemäß in grün-weiß gekleidet.
Waltraud Horn hatte zu unserem
Treffen im Sportmuseum genau diese Kleidungsstücke im Gepäck. Sie übergab
ihre sorgsam aufbewahrte erste BSG-Trainings- und Spielbekleidung (Trikot,
Stutzen, Trainingsjacke und -hose) von 1968 den Sammlungen unserer Einrichtung.
Mit diesen Objekten hielt der Leipziger Frauenfußball Einzug in unseren Fundus
– wofür wir der Spenderin Waltraud Horn an dieser Stelle noch einmal herzlich
danken möchten.
Wolfgang Metz
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