Editorial
Kulturgut des Sports in Gefahr!?  1. Symposium der Deutschen Arbeitsgemeinschaft von Sportmuseen, Sportarchiven und Sportsammlungen e.V. (DAGS) in Leipzig
"Leipzig geht baden.  Vom Pleißestrand zum Neuseenland"
Von mutigen "Bicycle-Fahrern", engagierten Radsportorganisatoren und Weltklasseathleten
Mit diesem DHfK-Jahrgang fing alles an
Die Statue "Borghesischer Fechter" im Schlossgarten Lütschena
Wer kann helfen?




Liebe Vereinsmitglieder,
liebe Freunde des Leipziger Sportmuseums
und seines Fördervereins,

das Heft 3/4 2004 von „Sportmuseum aktuell“ liegt vor Ihnen und mit ihm die letzte Ausgabe dieses Jahrganges. Wie rasch zwölf Monate vergehen, stellen wir jedes Jahr erneut fest, und doch scheint es uns, als ob die Zeit immer schnelllebiger wird. Hatten wir denn nicht erst vor kurzem die Jahrtausendwende gefeiert? Wir wollen den bevorstehenden Jahreswechsel dazu nutzen, zurückzuschauen und Bilanz zu ziehen. Das Jahr 2004 war wie auch schon das Jahr zuvor ein für den Leipziger Sport besonderer Zeitabschnitt. Mit der IOC-Entscheidung am 18. Mai 2004, Leipzig aus der Liste der Kandidatenstädte für Olympia 2012 zu streichen – Wo bleibt Fair Play? –, ging nicht nur unsere Hoffnung auf Olympische Spiele in unserer Heimatstadt,
sondern auch die auf

ein baldiges neues Domizil für das Leipziger Sportmuseum baden. Nun werden wir nach neuen Wegen suchen müssen, um dem Museum zu dem zu verhelfen, was es fürs Überleben und Funktionieren braucht: eigene Ausstellungsräume.

Aber da wir gerade von „baden gehen“ gesprochen haben: Für unseren Verein verbindet sich damit nicht nur das Scheitern einer großen Idee, sondern auch deren Gelingen. Stolz können wir verkünden, dass der erste Band unserer geplanten Schriftenreihe „Historische Sportstätten in Leipzig“ im Dezember 2004 abgeschlossen werden konnte und noch vor Weihnachten in den Verkauf kommen wird. „Leipzig geht baden. Vom Pleißestrand zum Neuseenland“ heißt das Buch, für das wir jahrelang recherchiert, dokumentiert und getextet haben und das nun an die Öffentlichkeit gelangt. Mehr als 100 Bade- und Schwimmanlagen in und um Leipzig finden sich in dieser Publikation wieder – ausführlich beschrieben und reich bebildert. Ich bin mir sicher, wenn Sie unseren Beitrag auf Seite ... gelesen haben, greifen Sie sofort zum Telefonhörer und bestellen Ihr Exemplar beim Förderverein. Wobei ich natürlich damit rechne, dass jedes Vereinsmitglied mehr als nur sein „Pflichtexemplar“ kauft ... Darüber hinaus hoffe ich, dass viele interessierte Leipziger (und deren Gäste) auf unser Buch aufmerksam werden und die Publikation über unseren Verein oder den örtlichen Buchhandel erwerben. Immerhin steht Weihnachten vor der Tür ... Abschließend möchte ich mich bei den vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern, deren Tätigkeit das Erscheinen des Buches überhaupt erst möglich machte, herzlich bedanken. In der letzten, „heißen“ Phase der Manuskriptbearbeitung waren das in besonderem Maße die Vorstandsmitglieder Wilfried Behlert, Ursula Gundlach und Wolfgang Metz. Aber auch die Vereinsmitglieder Sabine Schmidt und Siegfried Heinrich haben uns sehr geholfen, die wohl stressigste Phase der Buchfertigstellung ohne größere Plessuren zu überstehen.

Im Oktober 2004 wurde das 1. Symposium der Deutschen Arbeitsgemeinschaft von Sport­museen, Sportarchiven und Sportsammlungen e. V. in Leipzig durchgeführt. Die fast 50 Teilnehmer aus ganz Deutschland diskutierten in der dreitägigen Veranstaltung über die grundlegende Frage „Kulturgut des Sports in Gefahr?“ und verständigten sich an Hand der gehaltenen Referate über „Aufgaben und Stellenwert von Museen, Archiven und Samm­lungen“. Das Fazit: Die gegenwärtige gesellschaftliche Situation ist alles andere als „kulturfreundlich“. Auch das Kulturgut Sport bleibt von Sparmaßnahmen nicht verschont, und das hat Konsequenzen für alle Vereine und Institutionen, die sich seiner Bewahrung und Pflege verschrieben haben. Dass dieser Entwicklung nur mit einer gezielten und offensiven Öffentlichkeitsarbeit begegnet werden kann, darin war sich die Mehrzahl der Symposiums­teilnehmer einig.

Öffentliches Auftreten gehört für den Geschäftsführer unseres Vereins fast schon zu seinen täglichen Arbeitsaufgaben. Anlässlich des 80-jährigen Bestehens des Welthockeyverbandes, der vom 25. bis 27. November 2004 im Westin Hotel Leipzig seinen „Statutory Congress“ veranstaltete, präsentierte sich der Förderverein Sächsisches Sportmuseum Leipzig e. V. mit einer Mini-Ausstellung, die Werner Fritz maßgeblich mit vorbereitet und vor Ort betreut hat. Und seit dem 29. November 2004 findet man den „schwäbischen Sachsen“ auch auf dem Leipziger Weihnachtsmarkt, wo er gemeinsam mit zahlreichen Helfern aus Museum und Verein am Verkaufsstand der Hieronymus-Lotter-Gesellschaft, dem Förderverein des Stadt­geschichtlichen Museums Leipzig, Glühwein für einen guten Zweck verkauft: die durch die Herausgabe des Buches „Leipzig geht baden“ arg geschröpfte Vereinskasse wieder aufzubessern. Allen Mitwirkenden an dieser Vorweihnachtsaktion sage ich auf diesem Wege Dankeschön.

Noch ein Wort zu den Finanzen unseres Vereins: Es ist in der Tat ein bedenklicher Zustand eingetreten: Die Buchpublikation hat ein riesiges Loch in unsere Vereinskasse gerissen, das auf absehbare Zeit nicht gestopft werden kann. Wir werden in Zukunft auf viele bisher selbstverständliche Ausgaben verzichten müssen. Auch das Mitteilungsblatt „Sportmuseum aktuell“ steht auf dem Prüfstand, und viele Zeichen deuten darauf hin, dass Heft 3/4 2004 vorläufig die letzte Ausgabe der Museums- und Vereinszeitschrift sein wird. Das ist in vielerlei Hinsicht bedauerlich, nicht nur für die Öffentlichkeitsarbeit des Museums und seines Vereins, sondern auch für alle Partner, mit denen wir Zeitschriftenausgaben des Jahres 2005 inhaltlich vorbereiten wollten. So hatten wir geplant, dem SC DHfK Leipzig e. V., der im September 2004 sein 50-jähriges Gründungsjubiläum beging und der derzeit an seiner Festschrift arbeitet, in einem der kommenden Hefte Gelegenheit zu geben, über den „wahrscheinlich erfolgreichsten Sportverein der Welt“ und seinen Entwicklungsweg zu berichten. Umso mehr freuen wir uns, unseren Lesern heute den von unserem Vereinsmitglied Wolfgang Schoppe verfassten Beitrag zum 120-jährigen Jubiläum des Bundes Deutscher Radfahrer, das ja untrennbar mit 120 Jahren Radsport in Leipzig verbunden ist, präsentieren zu können.

So, nun bleibt mir nur noch, mich bei allen Vereinsmitgliedern und Sponsoren zu bedanken, die uns 2004 hilfreich zur Seite gestanden und zur guten Jahresbilanz beigetragen haben. Darüber hinaus möchte ich Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, für die bevorstehenden Feiertage alles Gute wünschen. Kommen Sie gut ins neue Jahr, bleiben Sie gesund und schaffensfroh und freuen Sie sich wie ich auf unsere weitere Zusammenarbeit im Interesse von Museum und Verein.

Ihr Dr. Manfred Merkel

1. Vorsitzender des Fördervereins Sächsisches Sportmuseum Leipzig e.V.

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