Editorial: Zum Anliegen des Heftes
Grußwort zum 10 jährigen Bestehen des Fördervereins - von Frau Dr. hc. Annemarie Renger
Wie alles seinen Lauf nahm - Ein Rückblick des ehemaligen Vorsitzenden
Ein Dach über dem Kopf - 50 Jahre Deutscher Sportbund
75 Bundesschule des Arbeiter-Turn- und Sport-Bundes (ATuSB)
Immer nah am Wasser gebaut - Schwimmer, Wasserballer, Trainer und Fördervereinsmitglied
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Liebe Vereinsmitglieder,

liebe Leserinnen und Leser,

haben Sie auch das Gefühl, seit dem vergangenen Jahr von 10-jährigen Jubiläen regelrecht verfolgt zu werden? Sportbünde der neuen Bundesländer begingen ihr Zehnjähriges, es feier(te)n die LVA und die AOK, und kürzlich lud  ein großes Möbelhaus seine Kunden aus Anlass seines 10-jährigen Hierseins zur Party. Die Menge der zehnten Jahrestage erschöpft sich damit noch längst nicht, waren doch 1990/91 regelrechte Gründerjahre. Weshalb animiert uns dieser „runde“ Anlass zum Feiern, haben wir hierzulande gar eine besondere Vorliebe für „Nullen“? Die Frage drängt sich auf, bringt doch selbst unser Förderverein jetzt ein Heft mit dem Schwerpunkt Jubiläen heraus. Auch er bilanziert in diesem Herbst sein 10-jähriges Bestehen. Auf einige Jahrzehnte mehr wird in den Beiträgen über den  DSB, die ATSB-Bundesschule und die Leipziger Naturfreunde zurückgeblickt. Was will ein solches „Jubiläumsheft“?

Jahrestage können als Anker für Erinnerungen gesetzt werden, um in immer schnelleren, rasch wechselnden Lebenszusammenhängen einen Moment innezuhalten und auf den Grund zu gehen. Derartiges Verweilen geschieht heute eher selten – Ruhelosigkeit, Eile, Veränderung dominieren. Welche Berufsbiografien verlaufen noch kontinuierlich, welche familiären Modelle scheinen noch auf Dauer angelegt? Damit einhergehend wechseln Menschen viel häufiger ihren Aufenthaltsort – Arbeits- und Wohnort sind oft nicht identisch. In der Folge lockern sich traditionelle Bindungen oder entstehen gar nicht erst. Trends und Moden (auch im Sport) lösen sich in immer rascherer Folge ab. Flüchtigkeit wird auch zum Kennzeichen von Sehund Denkgewohnheiten, die sich mit den Offerten der neuen Medien weiter verändern: Die nachwachsende Generation ist fasziniert von den rasanten Bildwechseln der Videoclips, selbst die Älteren surfen durch das Internet und gelangen per Mausklick sekundenschnell von einer Präsentation zur nächsten. (Der Förderverein des Sportmuseums ist übrigens dank seines Geschäftsführers Werner Fritz seit dem 1. Juli auch im Netz präsent.) Inmitten dieser Unstetigkeit vermittelt ein Jubiläum so etwas wie Beständigkeit. Jahrestag oder Gedenktag kann heißen: sich Gedanken zu machen, wann, unter welchen Bedingungen und warum etwas seinen Anfang genommen hat, und zu fragen, was heute davon noch Bestand hat. Wir erinnern uns an etwas und bewahren es damit für das eigene, aber auch für ein gemeinsames Gedächtnis.

Für Erinnerung braucht es Momente und braucht es Orte. Zu den Orten, an denen dem Vergessen entgegengewirkt wird, gehören Museen. Die Frage, was gegenwärtig bleiben soll, ist für ein Museum grundlegend. Sie steht daher auch im Zentrum der Überlegungen für die neue Dauerausstellung des Leipziger Sportmuseums. Was Sport früher war und was daraus geworden ist, soll begreifbar, erlebbar gemacht werden. Wesentlich sind auch die Fragen, welche Zielgruppen angesichts der veränderten Rezeptionsgewohnheiten mit welchen Angeboten zu erreichen sind. Kurz: Wie sieht unser Sportmuseum der Zukunft aus? Dazu ist in den vergangenen Monaten ein Konzept erarbeitet worden, das nach Billigung durch den Kulturbeigeordneten der Stadt Leipzig mit dem Sportausschuss der Stadt Leipzig diskutiert wurde. Daraus soll nun eine Vorlage für den Stadtrat entstehen, der – basierend auf dem Stadtratsbeschluss von 1999, der bereits die generelle Zustimmung für eine Dauerausstellung des Sportmuseums in Leipzig bekundete – dann konkrete Entscheidungen herbeiführen soll. Es gilt, ein tragfähiges Modell der Finanzierung zu installieren und dem Museum geeignete Räume für eine Dauerausstellung zur Verfügung zu stellen. Gelingt dies, wären die wesentlichen Ziele, mit denen der Förderverein vor einem Jahrzehnt ins Leben gerufen wurde,
erreicht. Ein legitimer Moment also, wichtig für unser Selbstverständnis, um zurückzublicken, Zwischenbilanz zu ziehen,  um dann gemeinsam die nächsten Schritte zu gehen.

Ihre
Dr. Petra Tzschoppe

1. Vorsitzende des Fördervereins Sächsisches Sportmuseum Leipzig e. V.

 

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