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Liebe
Vereinsmitglieder,
liebe
Leserinnen und Leser,
haben Sie
auch das Gefühl, seit dem vergangenen Jahr von 10-jährigen Jubiläen
regelrecht verfolgt zu werden? Sportbünde der neuen Bundesländer
begingen ihr Zehnjähriges, es feier(te)n die LVA und die AOK, und kürzlich
lud ein großes Möbelhaus seine Kunden aus Anlass seines 10-jährigen
Hierseins zur Party. Die Menge der zehnten Jahrestage erschöpft sich
damit noch längst nicht, waren doch 1990/91 regelrechte Gründerjahre.
Weshalb animiert uns dieser „runde“ Anlass zum Feiern, haben wir
hierzulande gar eine besondere Vorliebe für „Nullen“? Die Frage drängt
sich auf, bringt doch selbst unser Förderverein jetzt ein Heft mit dem
Schwerpunkt Jubiläen heraus. Auch er bilanziert in diesem Herbst sein
10-jähriges Bestehen. Auf einige Jahrzehnte mehr wird in den Beiträgen
über den DSB, die ATSB-Bundesschule und die Leipziger Naturfreunde
zurückgeblickt. Was will ein solches „Jubiläumsheft“?
Jahrestage
können als Anker für Erinnerungen gesetzt werden, um in immer
schnelleren, rasch wechselnden Lebenszusammenhängen einen Moment
innezuhalten und auf den Grund zu gehen. Derartiges Verweilen geschieht
heute eher selten – Ruhelosigkeit, Eile, Veränderung dominieren. Welche
Berufsbiografien verlaufen noch kontinuierlich, welche familiären Modelle
scheinen noch auf Dauer angelegt? Damit einhergehend wechseln Menschen
viel häufiger ihren Aufenthaltsort – Arbeits- und Wohnort sind oft
nicht identisch. In der Folge lockern sich traditionelle Bindungen oder
entstehen gar nicht erst. Trends und Moden (auch im Sport) lösen sich in
immer rascherer Folge ab. Flüchtigkeit wird auch zum Kennzeichen von
Sehund Denkgewohnheiten, die sich mit den Offerten der neuen Medien weiter
verändern: Die nachwachsende Generation ist fasziniert von den rasanten
Bildwechseln der Videoclips, selbst die Älteren surfen durch das Internet
und gelangen per Mausklick sekundenschnell von einer Präsentation zur nächsten.
(Der Förderverein des Sportmuseums ist übrigens dank seines Geschäftsführers
Werner Fritz seit dem 1. Juli auch im Netz präsent.) Inmitten dieser
Unstetigkeit vermittelt ein Jubiläum so etwas wie Beständigkeit.
Jahrestag oder Gedenktag kann heißen: sich Gedanken zu machen, wann,
unter welchen Bedingungen und warum etwas seinen Anfang genommen hat, und
zu fragen, was heute davon noch Bestand hat. Wir erinnern uns an etwas und
bewahren es damit für das eigene, aber auch für ein gemeinsames Gedächtnis.
Für
Erinnerung braucht es Momente und braucht es Orte. Zu den Orten, an denen
dem Vergessen entgegengewirkt wird, gehören Museen. Die Frage, was gegenwärtig
bleiben soll, ist für ein Museum grundlegend. Sie steht daher auch im
Zentrum der Überlegungen für die neue Dauerausstellung des Leipziger
Sportmuseums. Was Sport früher war und was daraus geworden ist, soll
begreifbar, erlebbar gemacht werden. Wesentlich sind auch die Fragen,
welche Zielgruppen angesichts der veränderten Rezeptionsgewohnheiten mit
welchen Angeboten zu erreichen sind. Kurz: Wie sieht unser Sportmuseum der
Zukunft aus? Dazu ist in den vergangenen Monaten ein Konzept erarbeitet
worden, das nach Billigung durch den Kulturbeigeordneten der Stadt Leipzig
mit dem Sportausschuss der Stadt Leipzig diskutiert wurde. Daraus soll nun
eine Vorlage für den Stadtrat entstehen, der – basierend auf dem
Stadtratsbeschluss von 1999, der bereits die generelle Zustimmung für
eine Dauerausstellung des Sportmuseums in Leipzig bekundete – dann
konkrete Entscheidungen herbeiführen soll. Es gilt, ein tragfähiges
Modell der Finanzierung zu installieren und dem Museum geeignete Räume für
eine Dauerausstellung zur Verfügung zu stellen. Gelingt dies, wären die
wesentlichen Ziele, mit denen der Förderverein vor einem Jahrzehnt ins
Leben gerufen wurde,
erreicht. Ein legitimer Moment also, wichtig für unser Selbstverständnis,
um zurückzublicken, Zwischenbilanz zu ziehen, um dann gemeinsam die
nächsten Schritte zu gehen.
Ihre
Dr. Petra Tzschoppe
1.
Vorsitzende des Fördervereins Sächsisches Sportmuseum Leipzig e. V.
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