Immer "nah am Wasser gebaut" Schwimmer, Wasserballer, Trainer und Fördervereinsmitglied Rudolf Fey wurde 90 |
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Fey, Fey – den Namen
habe ich doch schon mal gehört! Ach, ja: Herta Fey – das „Wunder“
von Leipzig, die erste Frau von der Pleiße, die 1928 als Schwimmerin an
Olympischen Spielen teilnahm, und das mit knapp 15 Jahren! Aber um sie
soll es in diesem Beitrag nicht oder „nur“ am Rande gehen. Unsere
Aufmerksamkeit soll heute vielmehr ihrem Mann gelten – Rudolf Fey. Vor
ein paar Wochen, am 25. Juni 2001, feierte er seinen 90. Geburtstag, natürlich
im Kreise seiner Angehörigen. Seine Töchter Helga und Brigitte waren
gekommen und mit ihnen die Enkelkinder Katrin und Michael sowie
Urenkelin Luisa. Aber auch Sportkameraden und Mitstreiter aus früheren
Tagen hatten es sich nicht nehmen lassen, dem Jubilar persönlich zu
gratulieren und ein Gläschen auf seine Gesundheit zu trinken. Die hat
er nötig, denn die Beine wollen nicht mehr so richtig ... „Bewegung
ist alles, wir lassen uns nicht unterkriegen!“ Seiner festen sonoren
Stimme nimmt man dieses Bekenntnis ohne Weiteres ab. Noch immer weiß Rudolf
Fey viel zu berichten, und noch immer erinnert er sich gern an die
Zeiten, die wir zum Teil nur aus den Geschichtsbüchern kennen. Seine
Kindheit verbrachte er im Leipziger Süden, in der Nähe des
Germania-Bades, wo er sich wie viele Gleichaltrige beim Baden vergnügte
und auch das Schwimmen erlernte. Er hatte soviel Spaß daran, dass er
mit zwölf Jahren in den Schwimmverein Lipsia 1911 eintrat und von
Stund’ an auch regelmäßig trainierte. Seine Liebe galt aber nicht
nur dem Schwimmen selbst, sondern auch dem Wasserballspiel, und so
teilte er seine Trainingsstunden gleichmäßig auf beide Sportarten auf.
Später verschrieb er sich ganz dem Wasserball, was ihn aber nicht daran
hinderte, gelegentlich auch bei Schwimmwettkämpfen mit anzutreten. Mit
18 startete er beispielsweise bei einem Wettkampf in Dessau und belegte
auf Anhieb den 2. Platz über 200 m Kraul (2:41,4) ... Nachdem Rudolf Fey
„leihweise“ schon in der Wasserballmannschaft des „I. Leipziger
Schwimm-Clubs Poseidon von 1900“ mitgespielt hatte, wollte er 1930
ganz zu diesem Verein wechseln. Den Regeln entsprechend hätte dies
jedoch ein Jahr Startverbot zur Folge gehabt, und also griff man (auch
damals schon) in die Trickkiste: Rudolf Fey verlegte seinen Arbeitsort
und Wohnsitz nach Zeitz, spielte dort natürlich auch Wasserball und kam
nach einem halben Jahr zurück nach Leipzig. Nun stand einer
Clubmitgliedschaft bei „Poseidon“ nichts mehr im Wege ... Rudolf Fey
fand hier seine sportliche Heimat und Kameraden, die ihn fast ein Leben
lang begleiteten: Kurt und Johannes Eckstein, den späteren
Silbermedaillengewinner im Wasserball bei den Olympischen Spielen 1932
in Los Angeles, Eberhard Koppen, Heinrich Götze und Reinhold Zoege. Mit
Trainingsfleiß und Enthusiasmus erkämpfte er sich einen Stammplatz in
der Wasserballmannschaft von Poseidon, die zwischen 1925 und 1936 zwölfmal
in Folge (!) den Titel des Sächsischen Meisters erringen konnte. Vor
allem ab 1933 zeigte der junge Rudolf Fey, welche Kämpferqualitäten in
ihm stecken: Er sorgte als Mittelstürmer oft für das entscheidende,
Ausschlag gebende Tor. Wegen seiner hervorragenden Leistungen berief man
ihn 1935 in die sächsische Auswahlmannschaft.
Trainiert haben sie sich
weitgehend selbst, und nach dem Training werteten sie die Erfolge und
Niederlagen in der Poseidon-Kantine aus: bei Wassertemperaturen um die
16° C verständlicherweise auch eine notwendige „Erwärmungsmaßnahme“.
Natürlich wurden nicht nur die sportlichen Ergebnisse diskutiert, man
sprach auch über „weniger Bedeutsames“ ... Und man pflegte die
ersten freundschaftlichen Beziehungen zu den weiblichen Clubmitgliedern.
Rudolf Fey hatte ein Auge auf die ebenfalls im Verein trainierende Herta
Wunder geworfen, und glücklicherweise blieben seine Werbungsversuche
nicht unbeachtet. 1934 gaben sich die beiden das Ja-Wort, das 58 Jahre
halten sollte. Noch in den 30er Jahren kamen ihre beiden Töchter Helga
und Brigitte zur Welt. Dass auch sie im Schwimmbad groß wurden und als
Schwimmerinnen zu sportlichen Lorbeeren kamen – Brigitte
beispielsweise trainierte bei und startete für „Rotation“ sowie „MoGoNo“
(Motor Gohlis Nord) und ist auch heute noch als Rentnerin bei „Lok
Leipzig-Mitte“ aktiv –, bedarf sicher keiner Erklärung. Fast so geradlinig wie seine sportliche Laufbahn verlief auch seine
berufliche: Rudolf Fey hatte sich als Jugendlicher bei der Firma Röding
in Leipzig zum Bauschlosser ausbilden lassen und war 1930 zur Firma
Wilhelm Ohlhorst gewechselt, die ihn schon bald für verantwortungsvolle
Tätigkeiten einsetzte: Bereits mit 28 Jahren leitete er als Werkmeister
80 Kollegen an. 1943 kam dann die Einberufung, der Rettungsschwimmer und
Maschinenfachmann Rudolf Fey wurde zur Marine delegiert in die Nähe
von Kiel. Nach dem Krieg hätte er dort bleiben können, an
Arbeitsangeboten mangelte es nicht, doch zu Hause in Leipzig warteten
die Frau und die beiden Töchter. Rudolf Fey bewarb sich bei einer
kleinen
45-jährig nahm er,
dessen Herz noch immer für den Sport schlug, ein einjähriges Studium
zur Erlangung des Trainerdiploms an der DHfK Leipzig auf und begann nach
dessen erfolgreichen Abschluss, in seinem neuen Beruf zu arbeiten: als
Wasserballtrainer im Nachwuchsbereich des SCL (Sportclub Leipzig). Über
diese Zeit und über seine Arbeit mit den „Jungs“ spricht Rudolf Fey
auch heute noch voller Begeisterung. Noch immer erfüllt es ihn mit
Genugtuung, dass er als Vertreter der „Alten Schule“ die jungen
Leute ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten und ihnen Ehrlichkeit,
Disziplin, Ausdauer und Freude am Sporttreiben vorleben durfte. Mit
anerkennenswerten Leistungen bei Altersklassenturnieren, der Kinder- und
Jugendspartakiade 1968 in Berlin und der DDR-Jugendmeisterschaft 1969 in
Lauchhammer, in der „seine“ AK 18/19 die „Hochburg“ Magdeburg
schlug und sich den Titel holte, wurde er belohnt. 1969 kam das „Aus“ für
Wasserball als geförderte Sportart im DDR-Leistungssport und – in
dessen Folge – die „Stunde Null“ für die auf diesem Gebiet tätigen
Trainer. Mit den einsetzenden Umstrukturierungen in den Sportclubs
verabschiedete sich Rudolf Fey vom Leistungssport und begann mit dem
Schuljahr 1969/70, als Turn- und Schwimmlehrer an der 16.
Polytechnischen Oberschule im Leipziger Osten zu arbeiten. Bis zur
Beendigung seines Berufslebens 1976 stand er nun denen zur Seite, die im
Sportunterricht das Schwimmen erlernen wollten. Auch hier erwies er sich
als engagierter Freund und Förderer des Sports, der seine Freude an der
Bewegung im nassen Element weiterzugeben vermochte. Seine Kollegen und
Schüler dankten es ihm wiederholt. Gern erinnert sich Rudolf Fey an
eine Auszeichnungsveranstaltung zum „Tag des Lehrers“ im Jahr seiner
Pensionierung: „Der Beifall der Schüler war mir mehr wert als das
Geld und die Urkunde, die man mir überreichte.“
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