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Der Biathlonsport
in der Region Altenberg/Zinnwald |
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... Obwohl die Ursprünge
dieser Sportart bis in die Zeit von 3000 v. Chr. zurückgehen
(Steinzeitzeichnungen „Jagd des Wildes auf Skiern“), beginnen wir
unseren Exkurs erst im Jahr 1955: jenem Jahr, in dem der Begriff
„Biathlon“ das erste Mal in der internationalen Sportwelt
auftauchte. Zwei Jahre später erklärte sich die Internationale Union für
Modernen Fünfkampf (kein Verband der Wintersportarten!) zum zuständigen
internationalen Fachverband und richtete 1958 im österreichischen
Saalfelden die ersten Biathlonwelt- meisterschaften in der Geschichte
dieser Sportart aus. |
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Auch
die Sportverantwortlichen in der DDR erkannten, welche Möglichkeiten
sich neben den traditionellen Wintersportarten hier für die Zukunft
ergeben könnten. So kam es zur Gründung der oben schon genannten SG
Dynamo Zinnwald, die sich zwar vorerst und vorrangig mit dem nordischen
Bereich befasste, letztlich aber die „Schmiede“ für die zukünftigen
Biathleten war. Die in leitender Funktion tätigen Helmut Forkel und
Werner Wiesenberg sowie die Trainer Max Braun, Roland und Siegfried
Forker und Armin Haugk waren die „Aktivisten der ersten Stunde“, die
den „Stein ins Rollen“ brachten. 1958 wurde in Klingenthal die erste
DDR-Meisterschaft im Biathlon ausgetragen, an der sich auch die
Zinnwalder Sportler beteiligten. Der
erste Auftritt auf der internationalen Sportbühne schlug hingegen fehl:
1959 bereitete sich die DDR-Mannschaft auf die Weltmeisterschaften in
Courmayuer (Italien) vor, unter ihnen auch mit Helmut Forkel und Hermann
Forker zwei Zinnwalder. Die interne Qualifikation war geschafft, die
Anreise nach Berlin verlief problemlos, aber dann kam das „dicke
Ende“: Die Sportführung entschied sich kurzfristig, keine Ausreise zu
gewähren wegen „zu großer Rückstände zur Weltspitze“. Man kann
sich vorstellen, was in den Köpfen der beiden Athleten damals vor sich
ging ... Dass sie sich davon nicht beirren ließen und der Sportart
sowie der SG Dynamo Zinnwald verbunden blieben, spricht für sich:
Helmut Forkel arbeitete bis zum wohlverdienten Ruhestand in der Leitung
der Sportgemeinschaft und hatte maßgeblichen Anteil an der steten
Verbesserung der materiell-technischen Bedingungen für das Training und
die Wettkampfvorbereitung der Biathleten. Er war u. a. auch der
Bauleiter der Rollerbahn in Hoffmannsloch (4 km von Altenberg entfernt).
Hermann Forker nahm nach Beendigung seiner sportlichen Laufbahn eine Tätigkeit
als Sportlehrer an der Altenberger Grundschule auf und wirkte darüber
hinaus als Übungsleiter im Trainingszentrum der SG Dynamo Zinnwald-Ost. Auf
Beschluss der zentralen Leitung der SV Dynamo wurde ab 1959 die SG
Dynamo Zinnwald zum regionalen Biathlonschwerpunkt entwickelt, was mit
einer Umstrukturierung der Trainingsstätten, der Einführung neuer
Trainingsmethoden sowie einer zielgerichteten Nachwuchsförderung
einherging. Die Investitionen zahlten sich schon bald aus: Neben
Medaillengewinnern bei den nordischen DDR-Meister- schaften 1960 stellten
die Zinnwalder in Squaw Valley auch ihren ersten Teilnehmer an
Olympischen Spielen: Heiner Gierth. Bis zur Olympiade in Innsbruck 1964
sorgten weitere Namen – Helmut Klöpsch, Hans-Dieter Riechel und
Dieter Ritter – für nationale und internationale Erfolge des
DDR-Biathlonsports sowie für einen Platz in der gesamtdeutschen
Olympiamannschaft. Helmut Klöpsch beispielsweise erzielte mit seinem 9.
Platz bei der Weltmeisterschaft 1962 das beste Ergebnis aller
mitteleuropäischen Starter. |
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Die "Alte Hütte" in Zinnwald (l.) und das neue Zuhause der |
![]() Sportgemeinschaft in Zinnwald / Georgenfeld (r.). |
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... Ein
Höhepunkt war, wie schon eingangs erwähnt, die Verantwortung der
Zinnwalder für die Ausrichtung der Biathlonweltmeisterschaften im Jahr
1967. Dieser internationale Wettkampf sollte erstmals in neuen
Altersklassen ausgetragen werden, d. h. eine Weltmeisterschaft für die
Junioren beinhalten. Die Altenberger meisterten das mit Bravour.
Zugleich erkämpften sie sich in der Staffeldisziplin über 4 x 7,5 km,
die erst 1965 ins Biathlonprogramm aufgenommen worden war, mit den
Startern Wilfried Bock und Joachim Meischner einen Bronzeplatz für ihre
Sportgemeinschaft. Im
Olympiazyklus 1965-68 prägten Sportler einer neuen Generation die
Biathlonszenerie: Heinz Kluge, Hans-Jörg Knauthe, Horst Koschka und
Dieter Speer. Letztgenannter errang den ersten Weltmeistertitel in der
Geschichte des DDR-Biathlonsports 1971 im finnischen Hämenlinna. Auch
bei den Olympischen Spielen 1972 in Sapporo schnitten die Zinnwalder mit
besten Ergebnissen ab: Hans-Jörg Knauthe kam zu Silbermedaillenehren im
Einzellauf, und die beim Staffellauf gestarteten Sportler Hans-Jörg
Knauthe, Horst Koschka, Joachim Meischner und Dieter Speer landeten auf
dem Bronzeplatz. Der Durchbruch zur Weltspitze war gelungen. |
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Um
dem Biathlonsport auch nach Beendigung der
leistungssportlichen Laufbahn treu bleiben zu kön-
nen, gründeten am 12. September 1969 einige
„Biathlonbesessene“ das Organisationskomitee
„Wiedersehensrennen ehemaliger Biathleten“. Am 17. März 1970 wurde der erste Wettkampf
veranstaltet, der sich in den folgenden 30 Jahren zu einem Traditionsrennen mit immer mehr
Teilnehmern entwickelte. Zum Auftakt 1970 gingen 19 Sportfreunde an den Start über die abgesteckten
Kilometer – die Strecke schwankt von Jahr zu Jahr
entsprechend der aktuellen Wetterlage zwischen
3 und 6 km. |
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.. Von
besonderer Bedeutung in der Geschichte des Biathlonsports war auch das
Jahr 1978: Die Entscheidung der Internationalen Biathlonunion (UIPMB), künftig
mit dem Kleinkalibergewehr an den Start gehen zu können, eröffnete
vielen kleineren Nationen die Möglichkeit, die Sportart in ihrem Land
aufzubauen und zu fördern. Bisher wurde mit dem Großkalibergewehr über
Entfernungen von 150 bis 250 m geschossen, was mit entsprechenden
technischen Anforderungen an die Schießstände und hohen
Sicherheitsvorkehrungen verbunden war. Nun setzte sich das Schießen mit
dem Kleinkalibergewehr über 50 m durch, was vieles vereinfachte und die
Ausübung der Sportart auch in Regionen möglich machte, die bisher dafür
nicht geeignet waren. Auch auf die Zinnwalder Sportler hatte diese
Entwicklung positive Auswirkungen: Da man im Jugendbereich schon mit
Kleinkalibergewehren trainiert hatte, schaffte man nun schneller und
komplikationsloser den Anschluss an den Männerbereich. Es begann eine
unvergleichliche Siegesserie, deren Anfangspunkt Manfred Beer, Eberhard
Rösch und Klaus Siebert setzten. Sie bestimmten während der
Weltmeisterschaft in Hochfilzen (Österreich) das Wettkampfniveau und
holten sich insgesamt vier WM-Medaillen (drei in den Einzeldisziplinen
und eine im Staffellauf) – das bis dahin beste Ergebnis, das jemals
bei einer Weltmeisterschaft von der SG Dynamo Zinnwald erzielt wurde.
Auch bei den Olympischen Winterspielen in Lake Placid 1980 schlugen sich
die Zinnwalder Sportler beispielhaft: In der Staffel er- kämpften
Eberhard Rösch und Klaus Siebert die Silbermedaille, und im Einzellauf
belegte Eberhard Rösch den Bronzeplatz. Gekrönt
wurden die Erfolge des DDR-Biathlonsports im Allgemeinen und der
Zinnwalder Sportgemeinschaft im Besonderen durch die Leistungen
Frank-Peter Roetschs. Von 1981 bis 1992 gehörte er zu den Welt-
klasseathleten im Biathlonsport und schrieb sich mit seinen Siegen
und Platzierungen in die Annalen dieser Sportart ein. Er war der erste
Biathlet, der beim Laufen die neue Skatingtechnik (Verzicht auf die
Verwendung von Steigwachs) anwendete und so während des Weltcups in
Oberhof 1985 die vorgeschriebene Strecke in wesentlich kürzerer Zeit
bewältigte. Damit überzeugte er alle Skeptiker, die Vorbehalte gegen
diese Technik geäußert hatten. Drei Jahre später wurde Frank-Peter
Roetsch Doppelolympiasieger ... |
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.... Die
politische Wende seit 1989 sorgte nicht nur in Wirtschaft, Kultur und
Alltagsleben für grundlegende Wandlungen, auch auf den Sport hatten die
neuen Bedingungen nachhaltige Auswirkungen: Es wurden das Gebäude der
Sportgemeinschaft in Zinnwald/Georgenfeld sowie Sportlerunterkünfte in
Zinnwald
geschlossen, zahlreiche Mitarbeiter entlassen, die Kinder- und
Jugendsportschule in ein normales Gymnasium umgewandelt ... Das brüchig
gewordende soziale Umfeld hatte den Weggang zahlreicher Spitzensportler
zur Folge: So verließen u. a. Ricco Groß, Arne Kluge, André Sehmisch
und Jens Steinigen den Zinnwalder Verein und rissen Lücken, die nur
schwer geschlossen werden konnten. Als
1994 kein Zinnwalder Biathlet mehr bei den Olympischen Winterspielen in
Lillehammer an den Start ging, schlug wohl die dunkelste Stunde für den
sächsischen Biathlonsport. Allen wurde klar: Es ist höchste Zeit,
einen neuen Kurs einzuschlagen. Mit den Feierlichkeiten zu 40 Jahren
Biathlon in der Region Altenberg/Zinnwald wurde der erste Schritt dazu
gewagt: „Aktivisten der ersten Stunde“, ehemalige Aktive und neue
Anhänger dieser faszinierenden Wintersportart taten sich zusammen und
entwickelten neue Ideen für Training und Leistungsaufbau, für
Nachwuchs- und Spitzensportförderung und begannen, den gedanklichen
Qualitätssprung in die Tat umzusetzen. Sie sorgten dafür, dass die
Ausbildung der Sportler den neuen gesellschaftlichen Bedingungen
angepasst, aber dennoch nicht auf solche bewährten Mittel und Methoden
wie Sichtung und Auswahl, langfristiger Leistungsaufbau, kontinuierliche
medizinische Begleitung usw. verzichtet wurde. Sie organisierten das
System des Leistungssportes entsprechend den aktuellen Anforderungen und
gewannen dafür Spender, Sponsoren, Förderer und Helfer. Es wurde hart
gearbeitet, doch der Erfolg belohnt für alle Mühen: Heute bestimmen
die Sportler der Altenberger/Zinnwalder Region das Niveau des
Biathlonsports auf nationalem und internationalem Terrain wieder mit.
Dafür, vor allem aber für seine beispielhafte Nachwuchsarbeit, wurde
der Sportverein in den vergangenen Jahren mit dem „Grünen Band“ der
Dresdner Bank und mit dem „Josef-Ertl-Preis“ des Deutschen
Skiverbandes geehrt. Obwohl
im Jahr des 45-jährigen Bestehens der ehemaligen SG Dynamo Zinnwald –
sie hatte sich am 15. 10.1992 mit der BSG Stahl/Zinnerz Altenberg zum Sächsischen
Sportverein Altenberg e. V. zusammen- geschlossen – keine Medaillen für
den Sportverein bei der Biathlonweltmeisterschaft erkämpft werden konnten, können sich die Zinnwalder Sportler mit zu den Weltbesten zählen:
Sie erreichten vordere Plätze bei den Weltcups,
Junioren-Weltmeisterschaften und Europameisterschaften. Und sicher ist
es auch kein Zufall, dass es ausgerechnet die Kinder ehemaliger
Zinnwalder Spitzenathleten – Katja und Romy Beer sowie Michael Rösch
– sind, die begonnen haben, das Tor zur Weltspitze aufzustoßen. Große
Herausforderungen erwarten sie, und für uns sind sie die
Medaillenhoffnungen der kommenden Jahre. |
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| Eberhard Rösch | |
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