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Von einem der Auszog, sich selbst zu erfahren - Ralf Brummer im Himalaya



Von einem,
der auszog, sich selbst zu erfahren



Ralf Brummer - Teilnehmer der Sächsischen Karakorum Expedition 2001

von Annett Schimmel und Ursula Gundlach
 
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„Auf dem Gipfel des Ruhms ...“ oder „Das ist ja der Gipfel!“ – umgangssprachlich sind die hohen Berge immer gegenwärtig. Nun soll es Leute geben, denen graust es schon bei dem Gedanken, mal in den 6. Stock ohne Fahrstuhl hinauf zu müssen. Und dann gibt es solche „Verrückten“, die sich auf die höchsten Berge der Welt schinden, freiwillig, aus sportlichen Erwägungen heraus ...

Ralf Brummer ist ein solcher. Der 50-jährige Leipziger Bauingenieur war einer von fünf Sportlern, die im Sommer 2001 den Weg auf den kleinsten der 14 Achttausender, auf den Gasherbrum II, suchten. Drei seiner Kameraden, Dr. Olaf Rieck, Christian und Markus Walter, gelang der Gipfelsturm, ihm selbst jedoch blieb er versagt. Was treibt einen Menschen, sich an die Grenze der Belastbarkeit zu begeben und auf einen Berg zu kraxeln? Im Gegensatz zu Leichtathleten oder Fußballern warten kein Beifall, keine Medaillenzeremonie, keine augenscheinliche Bewunderung und Anerkennung.

„Angefangen hat es 1977. Ein Arbeitskollege ging klettern und nahm mich mit. Wir waren dann in der Sächsischen Schweiz und in den Klettergebieten der Umgebung unterwegs. Bald folgten Bergfahrten nach Rumänien, in den Kaukasus und den Pamir.“ Regelmäßig ging es auf Tour, nicht nur zum Klettern, auch 
Ski- oder Marathonläufe standen auf dem Programm.
 

1991 gründete Ralf Brummer sein Unternehmen, die Alpin Bau- und Service GmbH. Bedingt durch die berufliche Anspannung gerieten die Bergfahrten damit ein wenig ins Hintertreffen. „Aber Sport zu treiben war mir ein Bedürfnis, und so fand ich Mittel und Wege, beides in Einklang zu bringen. Manchmal klingelt bei mir schon 4.30 Uhr der Wecker, damit ich vor meinem ersten Termin in der Firma noch eine Stunde joggen kann. Laufen, Radfahren oder Fitness-Training – wenn mir Probleme über den Kopf zu wachsen drohen, gehe ich ‘auf die Strecke’. Spätestens nach 1 ½ Stunden sehe ich klar und weiß, was zu tun ist. Sport ist ein ideales Mittel, um Stress abzubauen, und noch ein besseres, um Selbstvertrauen zu entwickeln.“

1999 lernte Ralf Brummer Dr. Olaf Rieck kennen. Dieser war auf der Suche nach Sponsoren für seine bevorstehende ChoOyu-Expedition. Die Alpin Bau- und Service GmbH unterstützte das Vorhaben, und als Dank versprach Dr. Olaf Rieck all jenen, die sich auf ein Abenteuer einlassen wollten, ein Outdoor-Wochen- ende in der Sächsischen Schweiz. Sechs Mann aus der Firma trauten sich und machten sich mit dem gerade aus dem Himalaya Zurückgekehrten an einem Freitagnachmittag kurz vor Weihnachten auf den Weg ... „Am Sonntagabend waren alle ‘mausetot’. Anstrengende Wander- und Klettertouren lagen hinter uns, dazu noch Kochen und Schlafen im Freien ohne jeglichen Komfort. Aber es war für alle ein unvergessliches Erlebnis ...“ An diesem Wochenende lernte Ralf Brummer neben Dr. Olaf Riecks Partnerin Lydia Schubert auch den Dresdner Markus Walter kennen, und die gegenseitige Sympathie ließ erste Gedanken an eine gemeinsame Fahrt zum Dach der Welt aufkommen. Und dann die alles entscheidende Frage: „Hast du nicht Lust, uns in den Karakorum zu begleiten?“

„Ich wollte es noch einmal wissen. Irgendwie war mir klar: Wenn ich mir nicht jetzt, mit 50 Jahren, ein anspruchsvolles Ziel stelle, dann überhaupt nicht mehr. Aber eine ganze Menge Fragen stellten sich: Bin ich den physischen und psychischen Anforderungen einer solchen Expedition gewachsen? Werde ich den anderen auch in extremen Situationen ein verlässlicher Partner sein? Kann ich das Projekt finanzieren? Und: Darf ich meine Firma für so lange Zeit allein lassen?“

Er durfte, denn seine Mitarbeiter standen voll hinter ihm. „Ich habe die Firma an vier der engsten Mitarbeiter übergeben, als würde ich nicht mehr zurückkommen. Auch damit musste man schließlich rechnen ... Es wurden neue Verantwortungsbereiche abgesteckt und ganz klare Entscheidungen getroffen, und es wurden auch Dinge geregelt, die ich bisher immer vor mir her geschoben hatte. Mit dieser Sicherheit im Rücken konnte ich beruhigt in den Zug steigen. Ich wollte in den kommenden Wochen nicht an das Unternehmen denken müssen, sondern mich voll und ganz auf die Expedition konzentrieren. Und das gelang!“ Als er neun Wochen später wieder das Betriebsgelände betrat, wurde er nicht enttäuscht: Seine Mitarbeiter hatten nicht nur alle Aufgaben mit Bravour gelöst, sondern auch dafür gesorgt, dass alle noch ein bisschen enger zusammengerückt sind, als dies ohnehin schon der Fall gewesen war. Die Firma war stärker geworden!

Bevor es aber richtig los ging, war intensives sportliches Training angesagt. Vor allem die Ausdauer musste geschult werden. Ralf Brummer stieg in jeder freien Minute aufs Rad oder zog sich seine Laufschuhe an: In den zehn Monaten vor der Abreise legte er rund 3.500 km zu Fuß zurück. Auch spezielle Bergläufe wie z. B. der Brockenmarathon oder das SWISS-ALPINE-Rennen standen auf seinem Programm, hinzu kamen Trainingswochenenden mit den anderen Expeditionsteilnehmern. Und dann wurde am Institut für Angewandte Trainingswissenschaft der körperliche Zustand der fünf Sportler gecheckt. Die Ergebnisse dieser Unter- suchungen sollten als Grundlage für wissenschaftliche Tests während der Bergfahrt dienen. Obwohl Ralf Brummer mit seinen 50 Jahren der älteste Proband der Gruppe war, konnten ihn seine Sportfreunde nicht überbieten ...
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Ralf Brummer (in der Mitte des Bildes, hockend) wieder im Kreis seiner Mitarbeiter, November 2001
Stationen eines Lebens
Name:
Geburtstag:
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Vater:
Mutter:
Geschwister:
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Lebenspartnerin:

Kinder:
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Hobbys:
Lebensmotto:
Ausbildung:
Ralf Brummer
7.12.1950
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Architekt
Hausfrau
2

Martina Brunner, Bereichsleiterin in der
Alpinbau- und Service GmbH
Tochter Antje (geb.1973) Dipl. Ingenieur
Sohn Holger (geb.1976) selbständig
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Bergsport, Ausdauersport
Du hast keine Chance, also nutze sie.
Abitur, Studium in Dresden,
Abschluss als Dipl. Bauingenieur,
Entwurfsingenieur für Massivbrücken
Bauleiter,
Geschäftsführer der Alpin Bau- und Service GmbH

Dann war es soweit: Am 21. Juni 2001 starteten die Bergsteiger vom Leipziger Hauptbahnhof aus in Richtung Pakistan, Karakorumgebirge. „Es war für mich sehr interessant zu erleben, wie solch eine Expedition durchgeführt wird, von der Sponsorengewinnung und Organisation über die Logistik bis hin zur Besteigung an sich. Völlig neu für mich war das Gefühl, bis an die Grenzen meiner physischen und psychischen Belastbarkeit gegangen zu sein und dabei erkannt zu haben, dass die größten Barrieren im Kopf sitzen. Ich habe auf der Tour jüngere Menschen kennen gelernt und mich mit ihnen messen können. Das ist gut so, denn nur so kann ich mich weiter entwickeln.“ Und: „Ich sehe heute viele Dinge gelassener, ich vermute nicht gleich hinter jeder Ecke ein Problem.“

Den Gipfelsieg konnte Ralf Brummer diesmal nicht erringen. Nach neuntägigem Warten zwischen Lager 1 auf 5.900 m Höhe und Lager 3 auf 7.000 m Höhe musste er gemeinsam mit seiner Bergpartnerin Lydia Schubert wieder absteigen, das Wetter hatte ihnen mit Sturm und Schnee einen Strich durch die Rechnung gemacht. Was beherrscht nun seine Gedanken: das Gefühl, versagt zu haben, oder die Genugtuung, es überhaupt soweit geschafft zu haben? „Ich hätte ein Problem, wenn ich nicht mit letzter Konsequenz für den Gipfel gekämpft, wenn ich gekniffen hätte. Aber mit schlechtem Wetter oder mit taktischen Entscheidungen kann ich leben.“ 
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Eine von rund 3.000 Karten, die die Expeditionsteilnehmer an Förderer und Sponsoren der Tour schrieben,
 landete im Briefkasten des Sportmuseums Leipzig.

Das Team der Sächsischen Karakorum Expedition 2001
(hintere Reihe v.l.n.r.) Ralf Brummer, Lydia Schubert, 
Dr. Olaf Rieck; (vordere Reihe v.l.n.r.): Christian Walter, Markus Walter.
Wieder nach Leipzig zurückgekehrt, geht Ralf Brummer wieder seinem „normalem“ Beruf nach. Aber der Berg ruft ihn auch künftig. „Ich würde solch eine Tour jederzeit wieder unternehmen!“
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Annett Schimmel und Ursula Gundlach
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