Liebe
Vereinsmitglieder,
liebe Leserinnen und Leser,
das
zu Ende gehende Jahr war reich an Ereignissen. Auch aus der Sicht
derjenigen, die sich für Sport und seine Geschichte interessieren,
gestaltete sich 2002 zu einem außergewöhnliches Jahr. Und Leipzig
war dabei ein zentraler Ort. Allein eine Woche Mitte Mai könnte viele
Seiten in sporthistorischen Journalen füllen. Am 15. Mai übergaben fünf
deutsche Städte ihre Bewerbungsschriften an das Nationale Olympische
Komitee – erstmals muss nun das NOK in einem nationalen Ausscheid den
Kandidaten küren, der für Deutschland ins internationale Rennen geht.
Zum ersten Mal bewirbt sich dabei auch die Stadt Leipzig ernsthaft –
nach der „Beinahe-Bewerbung“ von 1989. Nun ist das Einreichen von
Bewerbungsunterlagen nicht wirklich als historisches Ereignis zu
deklarieren, es könnte aber noch dazu werden.
Darüber
werden gegebenenfalls später die Sporthistoriker befinden, die in der
gleichen Woche ihre Jahrestagung der Sektion Sportgeschichte der
Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft in Leipzig abhielten. Ort
und Zeitpunkt waren bewusst gewählt, zum Abschluss der Tagung konnten
die Teilnehmer die Eröffnung der Turnfestausstellung erleben. Eine
Woche lang war die Stadt dann begeisterte und begeisternde Gastgeberin
des Deutschen Turnfestes. Diesem spektakulären Breitensportereignis
folgte im September eine wichtige Veranstaltung für den
Nachwuchsleistungssport. In Leipzig tagte die Bundeskonferenz der
Eliteschulen des Sports. Zeitgleich war hier Anlass, auf zehn Jahre
Sportgymnasium und die vor fünf Jahrzehnten erfolgte Gründung der
Kinder- und Jugendsportschule zurückzublicken. In genau diesem Gründungsjahr
1952 erhielten auch die allerersten Absolventen der Deutschen Hochschule
für Körperkultur nach damals noch zweijähriger Ausbildung ihr Diplom.
Einige der Begebenheiten werden mit Beiträgen in diesem Heft noch
einmal reflektiert.
Für
das Sportmuseum stellten zwei dieser Ereignisse ganz besondere
Herausforderungen dar: Für Turnfest und Olympiabewerbung machten die
Mitarbeiter das, was zu den wichtigsten Tätigkeiten eines Museums gehört:
eine Ausstellung, d. h. sie recherchierten, konzipierten, sichteten,
diskutierten, wählten aus und präsentierten – und bauten am Ende
wieder ab. Zunächst die eine, die aufwändige, die wirklich
bemerkenswerte Turnfestausstellung, deren Objekte nun wieder in den
Magazinen verschwunden sind. Nur wenige Wochen später wurde die andere
Exposition eröffnet, an der das Sportmuseum erheblichen Anteil hat:
„Olympische Visionen auf dem Weg zur Realität“. Der Eröffnungstermin
sorgte noch für einige Irritationen. So gab es zunächst eine Voraberöffnung
für Medienvertreter, auch erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler der
Messestadt durften zuvor schon die Präsentation besichtigen. Offiziell
eröffnet wurde schließlich durch Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang
Tiefensee am 31. 10. 2002. Dieser Termin wurde uns jedoch erst am Vortag
bekannt, so dass nur noch eine ganz kurzfristige Information für die
Mitglieder unseres Fördervereins und die Leihgeber möglich war. Einige
haben inzwischen ihren verständlichen Unmut ob solch blitzartiger
Mitteilung wichtiger Termine geäußert. Ich kann diese Verärgerung
verstehen und bedauere, dass manche Interessenten nicht teilnehmen
konnten. Dies soll mit einer Führung durch die Ausstellung bei
rechtzeitiger Einladung unbedingt nachgeholt werden.
Am
Abend des Eröffnungstages traf die Evaluierungskommission des NOK in
Leipzig ein und konnte mit einem Rundgang durch die Exposition einen
alle Sinne ansprechenden Eindruck von olympischen Traditionen und
Visionen der Olympiaregion Leipzig gewinnen. Nicht nur bei dieser
Gelegenheit, sondern so oft, wie bisher wohl noch nie, ist in diesem zu
Ende gehenden Jahr von den Traditionen der Sportstadt Leipzig gesprochen
worden – als Besonderheit, als auszeichnendes Merkmal, als einer der
Gründe, warum Olympische Spiele gerade hier stattfinden sollten. Zu
diesem Zweck wurden die Angebote und Leistungen des Sportmuseums häufig
genutzt, gelegentlich auch gewürdigt. Ich wünsche mir, dass man sich
daran erinnert, falls das kommende Jahr nicht mehr so zahlreiche Anlässe
bieten sollte, oder besser noch, dass es gelingen möge, Anreize zu
schaffen, auch zukünftig von der Sportstadt Leipzig und ihrer reichen
Geschichte zu sprechen.
Ihre
Dr. Petra Tzschoppe
1. Vorsitzende des Fördervereins
Sächsisches Sportmuseum Leipzig e.V.
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