Editorial: Zum Anliegen des Heftes
Abschied nehmen als Erlebnis
Olympische Visionen auf dem Weg zur Realität
"...das ist ein Pfund mit dem wir wuchern können"
"Wie hat Ihnen die Ausstellung gefallen?"
Ein vergessenes Jubiläum - Hein Domgörgen gegen Max Schmeling am 6. November 1927
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Liebe Vereinsmitglieder,

liebe Leserinnen und Leser,

das zu Ende gehende Jahr war reich an Ereignissen. Auch aus der Sicht derjenigen, die sich für Sport und seine Geschichte interessieren, gestaltete sich 2002 zu einem außergewöhn­liches Jahr. Und Leipzig war dabei ein zentraler Ort. Allein eine Woche Mitte Mai könnte viele Seiten in sporthistorischen Journalen füllen. Am 15. Mai übergaben fünf deutsche Städte ihre Bewerbungsschriften an das Nationale Olympische Komitee – erstmals muss nun das NOK in einem nationalen Ausscheid den Kandidaten küren, der für Deutschland ins internationale Rennen geht. Zum ersten Mal bewirbt sich dabei auch die Stadt Leipzig ernsthaft – nach der „Beinahe-Bewerbung“ von 1989. Nun ist das Einreichen von Bewerbungsunterlagen nicht wirklich als historisches Ereignis zu deklarieren, es könnte aber noch dazu werden.

 

Darüber werden gegebenenfalls später die Sporthistoriker befinden, die in der gleichen Woche ihre Jahrestagung der Sektion Sportgeschichte der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft in Leipzig abhielten. Ort und Zeitpunkt waren bewusst gewählt, zum Abschluss der Tagung konnten die Teilnehmer die Eröffnung der Turnfestausstellung erleben. Eine Woche lang war die Stadt dann begeisterte und begeisternde Gastgeberin des Deutschen Turnfestes. Diesem spektakulären Breitensportereignis folgte im September eine wichtige Veranstaltung für den Nachwuchsleistungssport. In Leipzig tagte die Bundeskonferenz der Eliteschulen des Sports. Zeitgleich war hier Anlass, auf zehn Jahre Sportgymnasium und die vor fünf Jahrzehnten erfolgte Gründung der Kinder- und Jugendsportschule zurückzublicken. In genau diesem Gründungsjahr 1952 erhielten auch die allerersten Absolventen der Deutschen Hochschule für Körperkultur nach damals noch zweijähriger Ausbildung ihr Diplom. Einige der Begebenheiten werden mit Beiträgen in diesem Heft noch einmal reflektiert.

 

Für das Sportmuseum stellten zwei dieser Ereignisse ganz besondere Herausforderungen dar: Für Turnfest und Olympiabewerbung machten die Mitarbeiter das, was zu den wichtigsten Tätigkeiten eines Museums gehört: eine Ausstellung, d. h. sie recherchierten, konzipierten, sichteten, diskutierten, wählten aus und präsentierten – und bauten am Ende wieder ab. Zunächst die eine, die aufwändige, die wirklich bemerkenswerte Turnfestausstellung, deren Objekte nun wieder in den Magazinen verschwunden sind. Nur wenige Wochen später wurde die andere Exposition eröffnet, an der das Sportmuseum erheblichen Anteil hat: „Olympische Visionen auf dem Weg zur Realität“. Der Eröffnungstermin sorgte noch für einige Irritationen. So gab es zunächst eine Voraberöffnung für Medienvertreter, auch erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler der Messestadt durften zuvor schon die Präsentation besichtigen. Offiziell eröffnet wurde schließlich durch Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee am 31. 10. 2002. Dieser Termin wurde uns jedoch erst am Vortag bekannt, so dass nur noch eine ganz kurzfristige Information für die Mitglieder unseres Fördervereins und die Leihgeber möglich war. Einige haben inzwischen ihren verständlichen Unmut ob solch blitzartiger Mitteilung wichtiger Termine geäußert. Ich kann diese Verärgerung verstehen und bedauere, dass manche Interessenten nicht teilnehmen konnten. Dies soll mit einer Führung durch die Ausstellung bei rechtzeitiger Einladung unbedingt nachgeholt werden.

 

Am Abend des Eröffnungstages traf die Evaluierungskommission des NOK in Leipzig ein und konnte mit einem Rundgang durch die Exposition einen alle Sinne ansprechenden Eindruck von olympischen Traditionen und Visionen der Olympiaregion Leipzig gewinnen. Nicht nur bei dieser Gelegenheit, sondern so oft, wie bisher wohl noch nie, ist in diesem zu Ende gehenden Jahr von den Traditionen der Sportstadt Leipzig gesprochen worden – als Besonderheit, als auszeichnendes Merkmal, als einer der Gründe, warum Olympische Spiele gerade hier stattfinden sollten. Zu diesem Zweck wurden die Angebote und Leistungen des Sportmuseums häufig genutzt, gelegentlich auch gewürdigt. Ich wünsche mir, dass man sich daran erinnert, falls das kommende Jahr nicht mehr so zahlreiche Anlässe bieten sollte, oder besser noch, dass es gelingen möge, Anreize zu schaffen, auch zukünftig von der Sportstadt Leipzig und ihrer reichen Geschichte zu sprechen.

Ihre

Dr. Petra Tzschoppe

1. Vorsitzende des Fördervereins Sächsisches Sportmuseum Leipzig e.V.

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