Editorial: Zum Anliegen des Heftes
Abschied nehmen als Erlebnis
Olympische Visionen auf dem Weg zur Realität
"...das ist ein Pfund mit dem wir wuchern können"
"Wie hat Ihnen die Ausstellung gefallen?"
Ein vergessenes Jubiläum - Hein Domgörgen gegen Max Schmeling am 6. November 1927
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Ein vergessenes Jubiläum

Oder: Als der Boxer Hein Domgörgen am 6. November 1927 im Leipziger "Achilleion" schlief.
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Als am 31. Oktober 2002 auf der ehemaligen Technischen Messe die Ausstellung „Olympische Visionen“ mit dem Untertitel „... auf dem Weg zur Realität“ eröffnet wurde, erfreuten sich sicherlich viele Besucher nicht nur an Planungen für die Leipziger Olympia­bewerbung von 2012 und an den olympischen Traditionen Sachsens, sondern auch an der interessanten Architektur der Rotunde als Teil der ehemaligen Messehalle 12, später 16. Dabei handelt es sich um das letzte Gebäude, das seine Entstehung der Internationalen Baufachausstellung (IBA) verdankt, die hier vom 3. Mai bis 31. Oktober 1913 stattfand. Architekt der sogenannten „Betonhalle“ war Wilhelm Kreis (1873-1955), der mit seinen zahlreichen Bismarcktürmen das Bild des wilhelminischen Zeitalters prägte.
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Wer heutzutage über die Technische Messe schlendert, bewegt sich in mehrfacher Hinsicht auf historischem Boden. Am Horizont ist das Völkerschlachtdenkmal zu erkennen, das am 18. Oktober 1913 aus Anlass des 100. Jahrestages des historischen Sieges über Napoleons Truppen eingeweiht wurde. Die Achse über das einstige Schlachtfeld stellt die Straße des 18. Oktober dar, die quer über das Gelände der Technischen Messe verläuft. Nach der IBA von 1913, die weltweit die erste „Construkta“ darstellte, kam 1914 die Internationale Weltausstellung des Baugewerbes. Da die Warenmessehäuser in der City für größere technische Erzeugnisse ungeeignet waren, fanden hier im Herbst 1918 die erste Technische Messe und die erste Baumesse statt. Ab 1921 wurden nacheinander 15 erdgeschossige Bauten mit Gleisanschluss errichtet, so dass 1938 bei einer Gesamtfläche von rund 400.000 m2 137.000 überdacht waren.
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Neben der „Betonhalle“, die von Kreis dorisch-antikisierend in „preußischer Klassik“ ausgeführt wurde, dürfte die ehemalige Halle 9 bzw. 12 das markanteste Bauwerk darstellen. Wie unschwer an der vergoldeten Spitze, auf der ein roter Sowjetstern thront, zu erkennen ist, handelt es sich um den ehemaligen Sowjetischen Pavillon, in dem bei den Frühjahrsmessen zwischen 1950 und 1989 die traditionellen Rundgänge der Staats- und Parteiführungen der DDR begannen. Abgesehen davon, dass das Gebäude unter Denkmalschutz steht, so verdient es auch aus sporthistorischer Sicht Beachtung. Von der Öffentlichkeit vollkommen unbeachtet, verging ein Jubiläum: Vor 75 Jahren, genau am 8. Oktober 1927, wurde hier Leipzigs erster Sportpalast seiner Bestimmung übergeben. Sein Name war „Achilleion“.
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Ein Hauch von Antike am Ufer der Pleiße.
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Die Einweihung des „Achilleion“ wurde für Leipzig zu einem Festtag. Die Halle mit ihren 8.000 Zuschauerplätzen, die man auf den riesigen Tribünen amphitrisch angelegt hatte, war vollkommen ausverkauft. Die Premiere erregte zudem weit über die Grenzen Leipzigs hinaus Aufsehen. So bezeichnete die in Berlin erscheinende „Vossische Zeitung“ die Veranstaltung als „sehr stimmungsvoll“. Allerdings wäre sie durch Ansprachen des Vorsitzenden des „Vereins Sportplatz Leipzig“, Bernhard Schulze, und des Vertreters des Rates der Stadt Leipzig, Professor Stahl, sehr in die Länge gezogen worden, kritisierte das Blatt.


Leipzigs erster Sportpalast um 1928/29:
das Achilleion

Weiter hieß es: „Das auf über 100 Künstler verstärkte Leipziger Sinfonieorchester und ein Männerchor brachten zunächst einige Weisen zu Gehör, dann füllten einige Ansprachen das vorgesehene Programm weiter aus, und erst nach diesen kamen die Sportler zu ihrem Recht“
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An den folgenden Wettkämpfen waren 200 Leichtathleten, die beiden Dresdner Jiu-Jitsu-Kämpfer Polizeiwachtmeister Ehrt und William sowie eine Anzahl Turner beteiligt, die Übungen am Reck, Barren und an den Ringen zeigten. Im Boxring besiegte der deutsche Fliegengewichtsmeister Liebers (Chemnitz) den Magdeburger Bahn; Thorey (Berlin) und Grabowski (Magdeburg) trennten sich unentschieden. Ein emotionaler Höhepunkt wurde die Vorstellung von Max Schmeling, der fünf Monate vorher den Titel eines Europameisters im Schwergewichtsboxen gegen den Belgier Fernand Delarge errungen hatte und dem ein Ehrenpreis überreicht werden sollte, der allerdings nicht vorhanden war. Anschließend startete Schmeling die Radrennen auf der 180 m langen Rundbahn. Ausgetragen wurde ein Fliegervierkampf mit sechs Zweierläufen, an dem die Medaillengewinner der Amateur-Weltmeisterschaften von Köln 1927 teilnahmen. Sieger wurde Titelträger Mathias Engel (Köln), Zweiter der spätere dänische Olympiasieger Willy Falck-Hansen, Dritter – wie bei den WM – Peter Steffes, ebenfalls ein Kölner.
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Als Leipzig sein „Achilleion“ bekam, kommentierten das damals viele mit dem Wörtchen „endlich“. Die Eröffnung fiel in eine Zeit, als sich die Deutschen gebärdeten, als hätten sie nachträglich den Krieg gewonnen. Die Inflation war vorbei, Deutschland besaß wieder eine stabile Währung auf Basis der Goldmark. Frankreichs Premierminister Poincaré mit seiner abenteuerlichen Politik war von seinen Landsleuten abgewählt worden. Und nach dem Abschluss des Dawes-Planes, der die deutschen Reparationen erträglicher machte, floss viel amerikanisches Kapital ins Land, das aber mit vollen Händen wieder ausgegeben wurde. In Köln, Frankfurt am Main und an der Oder, Duisburg, Hamburg, Nürnberg und anderen Städten entstanden Riesenstadien. Und in Dortmund öffnete 1925 die Westfalenhalle, die mit ihren 23.000 Plätzen damals die größte Sporthalle der Welt war. Als Generaldirektor gewann man Ferry Ohrtmann, der bisher den Berliner Sportpalast geleitet hatte. Für die Zusammen­stellung der Boxprogramme sorgte der nicht minder bekannte André Picard, der sich zum Ziel gestellt hatte, Berlin den Rang abzulaufen.
Der Sportpalast in der Reichshauptstadt existierte damals bereits seit fünfzehn Jahren. Das von dem Architekten Hermann Dernburg und dem Ingenieur Johannes Biesold konstruierte Bauwerk war am 17. November 1910 feierlich als „größter Eispalast der Welt“ eröffnet worden. Sein Name war anfangs „Hohenzollern-Sport-Palast“. Von Beginn an hatte das Unternehmen auch mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen, zumal wenige Monate später Berlin mit dem Admiralspalast noch eine weitere glanzvolle Eisbahn bekommen hatte. Schon im August 1912 musste der „Sport-Palast“ zwangsversteigert werden. Während des I. Weltkrieges ruhte der Betrieb. Das Haus stand erstmals wieder am 16. Februar 1919 für sportliche Zwecke zur Verfügung, und es dauerte nicht lange, bis der Sportpalast mit seinen vielfältigen Programmen zu einem unverwechselbaren Stück Berlin geworden war. Zu den großen Legenden der „Goldenen Zwanziger“ gehören die „Sechstagerennen“, dessen erstes 1909 – damals noch in der Messehalle am Zoo – ausgetragen worden war.
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Da auch Leipzig über eine große Radsport-Gemeinde verfügte, wurde Anfang der 20er Jahre der Ruf nach einer Halle mit Radrennbahn für die Wintermonate lauter. Die Initiative ging vom „Verein Sportplatz Leipzig J.P.“ aus. Da die Stadt dafür aber keinerlei Mittel aufbringen konnte, entschied man sich für einen Kompromiss. Der Verein der Werkzeugmaschinen­fabrikanten willigt ein, dass die von den Architekten Oskar Pusch und Carl Krämer für seine Zwecke zwischen 1923 und 1924 erbaute Halle in den Wintermonaten für Sport­veranstaltungen zur Verfügung stehen sollte, wofür das Innere des Gebäudes umgebaut wurde. Den Kostenaufwand von 300.000 Mark trug der „Verein Sportplatz Leipzig“
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Innenansicht des Achilleions mit Radrennbahn 
und Boxring 1928/29

Die Halle erhielt den romantischen Namen „Achilleion“, der an die österreichische Kaiserin Elisabeth erinnerte, die 1889 auf ihrem Feriendomizil auf Korfu die „Villa Achilleion“ im italienischen Renaissancestil bezogen hatte, die nach ihrer Ermordung 1907 vom deutschen Kaiser gekauft wurde. Es war Wilhelm II., der 1924 in Berlin und Leipzig seine „Erinnerungen an Korfu“ veröffentlichte, in denen er von „Sissis“ Märchenschloss schwärmte, das „auf zwei Seiten von offenen Säulen umrahmt mit weißen Marmorstatuen und Philosophentermen geschmückt“ war.   Ein zeitlicher Zufall?
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Wie auch immer: Von dieser klassischen Schönheit war das Leipziger „Achilleion“ meilenweit entfernt, aber immerhin hatten die beiden Architekten den nüchternen Zweckbau, der mit einer Fläche von 21.000 m2 damals die größte deutsche Ausstellungshalle darstellte, mit einem heroischen Portikus aufgehübscht und damit ein wenig Antike auch an die Ufer Pleiße gebracht. Der Name erinnerte außerdem an Achill, den tapfersten aller griechischen Helden im Kampf um Troja, wie in Homers „Ilias“ nachzulesen ist. Der Legende nach wurde der Sohn des Peleus von seiner Mutter Thetis durch Feuer unverwundbar gemacht – bis auf die Ferse, die ihm ja dann auch zum Verhängnis wurde. Er starb durch einen von Apollon gelenkten Pfeil des Paris. Mit diesem Schicksal wurde er viel später zu einer Lieblingsgestalt der griechischen Künstler, und auch Goethe widmete ihm ein Epos. Die Achillesferse war geboren – welcher Sportler fürchtet sie seitdem nicht?
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Für Max Schmeling stand viel auf dem Spiel
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„Schrecklich erscholl um die Kiefer der Fäuste Geklatsch.“ An diesen 23. Gesang der „Ilias“ (7, S. 422) wurde der Besucher des „Achilleion“ bald erinnert. Am Sonntag, dem 6. November 1927, um 20 Uhr, kämpften Titelverteidiger Max Schmeling gegen Herausforderer Hein Domgörgen um die Deutsche Meisterschaft im Halbschwergewicht, wobei es sich um keinen normalen Kampf handelte. Schmeling hatte sich zwischen 1924 und 1926 in Köln zu einem außergewöhnlichen Boxer entwickelt, wobei er viel von dem damals besten deutschen Techniker Hein Domgörgen, der dem Mittelgewicht angehörte, gelernt hatte. Da sich Schmeling aber von Manager Willy Fuchs hintangesetzt fühlte, der Domgörgen offenbar eine bessere Perspektive zubilligte, verließ Schmeling Mitte Juni 1926 Köln und wechselte zu Arthur Bülow nach Berlin, der auch Gründer und Chefredakteur der Zeitschrift „Box-Sport“ war. Der Aufstieg Schmelings vollzog sich in Berlin innerhalb eines Jahres. Seine Karriere krönte er am 19. Juni 1927 in Dortmund mit der Erringung des Europameistergürtels. Danach trat Schmeling mit Bülow eine „Studienreise“ nach Paris und London an. Kaum war er zurück, fand er zu seinem Ärger die Herausforderung von Domgörgen vor, die für Schmeling unangenehm werden konnte, da viel auf dem Spiel stand: Im Falle einer Niederlage riskierte Schmeling, eo ipso seinen Europameistertitel zu verlieren.
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Der "Box-Sport" berichtet ausführlich vom Kampf Schmeling-Domgörgen und dessen "Folgen"
(in: Box-Sport - Berlin 8(1927-11-15)372)
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Programmheft des Box-Großkampftages am
6.November 1927

Es waren drei Veranstalter, die damals Angebote abgaben: Paul Schwartz bot eine Börse von 10.500 Mark, um den Zuschlag für die Treptower Radrennbahn zu erhalten. Hundert Mark mehr wollte Paul Damski ausgeben. Der weißrussische Jude, seit Anfang der 20er Jahre in Berlin als Manager und Promoter tätig und mit Bülow und Schmeling eng befreundet, hätte den Titelkampf gern im Sportpalast ausgetragen. Beide Offerten waren ungewöhnlich niedrig und wohl von der Absicht getragen, das Stattfinden des Kampfes zugunsten von Schmeling zu sabotieren. Doch das war die Chance für einen dritten Konkurrenten, der mit 12.000 Mark das höchste Angebot ablieferte und deshalb nach den Satzungen der Boxsport-Behörde den Zuschlag erhalten musste. Es kam von Martin Koslowski, der seit der Eröffnung als technischer Leiter für das „Achilleion“ verantwortlich zeichnete. Bülow erklärte daraufhin, dass Schmeling bei einer so niedrigen Börse nicht antreten würde, weil er ja weniger verdiente als gegen Delarge. Doch auch Fuchs war unzufrieden, weshalb Koslowski die Börse dann noch auf 13.000 Mark erhöhte.
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Da aber kein besseres Angebot vorlag, mussten die Manager notgedrungen akzeptieren. Eine Absage konnte sich nun keiner der Beteiligten mehr leisten. Der Hass ging so weit, dass Fuchs – nur um zu verhindern, dass Schmeling doch noch abspringt – für seinen Schützling die Bereitschaft erklärte, dass der Sieger die Gesamtbörse erhalten sollte. Bülow blieb damit nichts anderes übrig, als mit gespielter Siegessicherheit darauf einzugehen.

Schmeling befand sich damals in einer schwierigen Phase seiner Entwicklung. Er war vom Limit her am Ende des Halbschwergewichts angekommen, doch ein Wechsel in die höchste Kategorie kam für den damals erst 22-Jährigen noch zu früh. Um den Kampf gegen Domgörgen nicht schon auf der Waage zu verlieren, musste sich Schmeling einem strengen Regime unterwerfen. Noch nie war sein Pensum so umfangreich wie damals gewesen. Vierundzwanzig Stunden vor dem Kampf hatte Schmeling aber immer noch sechs Pfund zu viel auf den Rippen, die abgearbeitet werden mussten. Also laufen! Während er mit seiner Eskorte durch den Leipziger Süden trabte, kam ihm plötzlich Hein Domgörgen nebst Anhang entgegen, dem der Schmeling-Clan aber auf keinen Fall zeigen wollte, dass der „Champ“ nach wie vor mit dem Gewicht kämpfte. Also ab in die Parkanlagen und abducken, bis der Feind vorbei war! 
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Als am folgenden Sonntag im „Achilleion“ die Lichter angingen, hielt die Sportgemeinde im gesamten Reich den Atem an. Vor der Halle – an der Straße des 18. Oktober – stauten sich zahllose Automobile, darunter viele mit IA-Kennzeichen. Nicht einmal das „Sechstage­rennen“ hatte diese Berliner an jenem Abend in der Hauptstadt halten können. Die Reichsbahn setzte zwischen Berlin und Leipzig sogar einen Sonderzug mit ermäßigten Preisen ein. Das Haus war bis unters Dach ausverkauft. Die Presseplätze reichten nicht aus, um die Vielzahl der Berliner und Kölner Journalisten unterzubringen. Währenddessen tobte unten ein Kampf um die Ausmaße des Ringes. Die Manager zankten sich wie die Marktweiber. Bülow hatte in der Vereinbarung ein Seilquadrat von fünf mal fünf Meter verlangt, womit er die Laufarbeit von Hein Domgörgen, der als „Flitzer“ verschrien war, erheblich eingeengt hatte. Fuchs hingegen wünschte einen Ring von sechs mal sechs. Im Programm des Abends hatte er großspurig verkündet, dass sein Schützling sicherer Sieger bleibt. „Max Schmeling hat sein Können hauptsächlich Domgörgen zu verdanken und hat meiner Ansicht nach keine ernstlichen Chancen gegen Domgörgen. Wie groß meine Zuversicht ist, habe ich am besten bewiesen, dass ich dem Manager Schmelings vorschlug, um die g a n z e Börse zu boxen“. Wer sich unparteiisch verhielt, bemühte sich um einen Kompromiss, der nur fünfeinhalb mal fünfeinhalb Meter lauten konnte. Doch Bülow beharrte auf seinem Recht. Er ging nicht einen Zentimeter von seiner Forderung ab. Die Größe war für ihn an diesem Tag von besonderer Bedeutung.
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Damit war der Nervenkrieg noch nicht am Ende. Nach dem zweiten Kampf des Abends erreichte die Pedanterie ihren Höhepunkt, als Fuchs das Podium erklomm, um die Taue nachzumessen. Und siehe da! Am rechten Maß fehlten vier Zentimeter, worauf die Seile noch einmal gedehnt wurden, so dass sie beinahe zu reißen drohten. Domgörgen, der mit einem fünfzehn Pfund niedrigeren Körpergewicht deutliche Nachteile hatte, begann den Fight wie ein richtiger Herausforderer. Von Anfang an versuchte er, Schmeling den Nahkampf aufzuzwingen, in dem er dem sieben Jahre jüngeren Kontrahenten überlegen war. Seine schnelle linke Gerade stach immer wieder zu. Ziel war Schmelings linkes Auge. Anfangs war es nur leicht gerötet, doch in der vierten Runde begann es, deutlich anzuschwellen. Schmeling teilte mächtige rechte Haken aus, aber auch Domgörgens Schläge trafen ihn unangenehm. Die fünfte und die sechste Runde gingen offenbar an den Herausforderer.
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Der Kampfentscheidende Augenblick: Domgörgens geht, von Schmeling getroffen, KO. 

Der Box-Sport berichtet ausführlich über den Kampf
In der siebten Runde schien Domgörgen an Sicherheit gewonnen zu haben, während Schmelings Auge nahezu geschlossen war. Das war der Moment, als Schmeling bei dem Angreifer eine Lücke erspähte. Er schlug eine kurze rechte Gerade, die Domgörgen an der Halsschlagader traf. Der Blutkreislauf wurde für eine kurze Zeit unterbrochen. Spiralenförmig drehte sich der Meistertechniker zu Boden. Seine Augen stierten glasig in die Kuppel des „Achilleion“. Heinrich Domgörgen schlief. Ringrichter Samson-Körner schickte den Konkurrenten sofort in die entfernteste neutrale Ecke und begann mit seiner Arithmetik – von Schmeling gedrängt, schneller zu zählen. Bei „9“ versuchte Domgörgen, sich zu erheben. Doch bevor er hochkam, sackte er wieder in sich zusammen. In diesem Moment entspannte sich Schmelings verzerrtes Gesicht. Genüsslich hob er sein „Opfer“ auf und trug es in dessen Ecke. Es war Domgörgens erster K.o. Nachdem er wieder zu sich gekommen war, kommentierte er das mit den Worten: „Mensch, hat der mich vielleicht getroffen!“ Durch das Vabanquespiel seines Managers erhielt er keinen einzigen Pfennig, während Schmelings die gesamte Börse davontrug. Die Kölner Demütigung war damit getilgt.
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1950 Wiedereröffnung als Sowjetischer Pavillon

Mit dem Duell Schmeling – Domgörgen hatte das „Achilleion“ einen Einstand, wie er besser kaum hätte ausfallen können. In den folgenden sechs Monaten war Leipzig Schauplatz von nicht weniger als drei sogenannten Großkampftagen, obwohl die Halle wegen der acht großen Eisenpfeiler, die das Dach tragen, wenig geeignet war, um das Geschehen im Boxring zu verfolgen. Besser waren da die Radsportfreunde dran, von denen 4.000 am 6. Januar 1928 den ersten Start zu einem „Sechstagerennen“ miterlebten. Auch die Leichtathletik fand hier ein günstiges Zuhause: Wo konnte man damals in Deutschland sonst noch die 100 Meter unter einem Dach laufen?
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Obwohl nur als Provisorium gedacht, blieb das „Achilleion“ für lange Zeit Leipzigs einziger Sportpalast. In gewisser Weise erfüllte Leipzig damit bereits das heute so aktuelle Olympia-Kriterium der Nachhaltigkeit. An die Idee der Kombi-Halle wurde genau fünfzig Jahre später auch mit dem Bau der Messehalle 7 angeknüpft, in der sowohl Ausstellungen als auch Sportveranstaltungen stattfinden können.
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Das „Achilleion“ wurde in den Bombennächten des II. Weltkriegs erheblich zerstört. Kaum war der Krieg beendet, knüpfte eine „Musterschau Leipziger Erzeugnisse“ vom 18. bis 23. Oktober 1945 an die Tradition der Messe an. Die erste Nachkriegsmesse fand vom 8. bis 12. Mai 1946 statt. Es dauerte einige Jahre, bis auch das „Achilleion“ wieder zur Verfügung stand. Es wurde erst zur Frühjahrsmesse 1950 neu eröffnet, nunmehr unter dem Namen „Sowjetischer Pavillon“. Der Portikus, in dem seit 1925 bis zur Zerstörung die Repräsentations- und Verwaltungsräume der Technischen Messe untergebracht waren, verschwand unter einer hellen Verkleidung. Die goldene Spitze gab dem Bauwerk, das zwischen 1976 und 1980 weitgehend „entstalinisiert“ wurde, etwas Byzantinisches. Reste vom originalen „Achilleion“ finden sich nur noch im hinterem Teil des Gebäudes. Wenn man mit dem Ohr


Der Nachfolger des Achilleion: die Messehalle 9 bzw. 12, die als "Sowjetischer Pavillion" in die Messe- und Architekturgeschichte der Stadt einging.

ganz nah an die Mauern herangeht, hört man so etwas wie „der Fäuste Geklatsch“. Oder war es das letzte Klirren der Wodka-Gläser?
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Volker Kluge
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