Fachbeiträge
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Präsenz der Künste - ein Kennzeichen der Turnfeste
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Prof. Dr. Günter Witt
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In einem Artikel der „Deutschen Turn-Zeitung“ des Jahrgangs 1885 war zu lesen: „es wäre doch über alle Maßen traurig, wenn nur das Schwingen und Springen und Ringen, wenn überhaupt nur das praktische Element des Turnens den alleinigen Inbegriff aller unserer Leibesübungen ausmachen sollte, wenn nicht die mühselige, schweißtreibende Arbeit des Turnens gestützt und gleichsam verklärt würde durch ein geistiges Leben in der Sache und durch eine gewisse Identität unsers Strebens nach dem Besitz eines gesunden Geistes im gesunden Körper“
Krampe 1885, S. 1).

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Wie immer man sich auch im Einzelnen vorstellte, diesen Anspruch praktisch zu erfüllen, eines darf als unbestritten gelten: Die Deutschen Turnfeste wurden zur glänzenden Gelegenheit, in diesem Sinne wirksam zu werden. Deren Mitgestaltung durch Künstler nahezu aller Gattungen wurde schon sehr früh zum unverzichtbaren Baustein für eine geistig-kulturelle Sinngebung der Feste und für ihre allgemeine Popularität.


Werbeplakat für eine Schiffsmodell- 
Ausstellung anlässlich des Deutschen 
Turnfestes Leipzig 1863

Transparentgemälde an der Festhalle des Deutschen Turnfestes München 1889
(Friedrich-Ludwig-Jahn-Museum Freyburg)
So konnte J. Gesellhofen in der Festschrift für das VIII. allgemeine Deutsche Turnfest 1894 in Breslau bereits feststellen: 
„Der in früheren Zeiten vielverketzerte Gedanke, bei großen Gelegenheiten alle Künste zu einer imposanten Gesamtwirkung 
zu vereinigen, (...) gewinnt heutzutage bei künstlerischen Veranstaltungen im großen Stil immer mehr Anhang“ 
Deutscher Turner-Bund 1987, S. 71).

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Eine Rückschau auf die Geschichte der Feste vermittelt eindrucksvoll das Bild bereitwilliger Mitwirkung 
von Architekten, Malern, Komponisten, Dichtern, Schauspielern, Tänzern und anderen Künstlern bei allen Festen. Sie schufen Bauten und Plätze für die Veranstaltungen, Tänze und Musikstücke, Gedichte und Lieder, Plakate und Festschriften, Plaketten und Medaillen, Kostüme und Souvenirs, sie gestalteten die Festspiele und Festumzüge, die Konzerte und geselligen Treffen der Turner sowie gastgebenden Bürger 
der jeweiligen Feststadt. Dafür gibt es viele interessante Beispiele.
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So wurde in der Schilderung des 3. allgemeinen Deutschen Turnfestes in Leipzig 1863 hervorgehoben: „Die bildende Kunst beteiligte sich an der Ausschmückung der Festhalle“ Deutscher Turner-Bund 1987, S. 97), überraschte das Publikum mit einem großen Angebot verschiedener Kleinplastiken, darunter Turnvater Jahn ganzfigurig und als Büste. Und so wird in der Festzeitung für das VI. Deutsche Turnfest in Dresden 1885 das bemerkenswerte Musikprogramm gewürdigt, von den neuen Kompositionen zu diesem Anlass bis zu den anspruchsvollen Konzertveranstaltungen in der Festhalle Deutscher Turner-Bund 1987, S. 112). Auch das 11. Deutsche Turnfest in Frankfurt/Main 1908 wartete mit einem Höhepunkt auf, als in der neuen großen Halle ein Festkonzert gegeben wurde Deutscher Turner-Bund 1987, S. 153).
Zum Programm des 13. Deutschen Turnfestes 1923 in München zählte eine Turn- und Sportausstellung in einem der sechs neuen Glaspaläste, die in einem Ausstellungspark rings um die Bavaria in einem offenen Halbkreis errichtet wurden und die man als „ein Kleinod gärtnerischer und baulicher Kunst“ bewunderte. Hier wurde auch das für diese Großveranstaltung komponierte „Vaterländische Festspiel ‘Frisch auf, mein Volk’“ aufgeführt Deutscher Turner-Bund 1987, S. 175 ff.).  

Titelseite des Programmheftes 
zum Festspiel
"Heil Dir, Germania",
Deutsches Turnfest Hamburg 1898

Universität Leipzig
Sportwissenschaftliche Fakultät

Verfolgt man die Chronik aller Deutschen Turnfeste mit Blick auf solche Programme, so ist ihnen ein Kennzeichen gemeinsam: die Präsenz der Künste. Aber zugleich werden nicht nur Unterschiede im jeweiligen Aufwand für künstlerische Beiträge und in der Wahl der künstlerischen Ausdrucksformen deutlich. Da die künstlerische Gestaltung der Deutschen Turnfeste sich thematisch keinesfalls auf die Widerspiegelung des Turnens beschränkte, stellen ihre erhaltenen und museal aufbewahrten Werke aller Gebiete der Kunst aus heutiger Sicht höchst bemerkenswerte Zeugnisse der stilistischen Auffassungen und des ästhetischen Geschmacks der jeweiligen Zeitepoche dar. Zum anderen ist aus ihnen auch unübersehbar der Zeitgeist abzulesen, der im deutschen Kaiserreich, in der Weimarer Republik oder im nationalsozialistischen Deutschland herrschte. Es ging also nicht nur um punktuelle künstlerische Aktivitäten, etwa darum, das visuelle Erscheinungsbild von Räumen, Festumzügen und Veranstaltungen ästhetisch attraktiv zu gestalten, sondern auch darum, vorherrschende politische und sportpolitische Ziele und Wertvorstellungen zu vermitteln.

Erinnerungstafel 
der Deutschen Turnerschaft
für die Feststadt Hamburg,
ausgeführt vom Leipziger Künstler
Prof. Carl Seffner 1898

Bronzeplastik, Geschenk 
des Deutschen Turner-Bundes
an die Stadt Essen 1963
geschaffen vom Essener
Bildhauer Wamper

Gemälde "Sieger"
von Peter Schnürpel 1974
Ausstellung "Kunst- und Sport"
anlässlich des VI: Turn- und
Sportfestes Leipzig 1977

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Auch in der Zeit nach dem II. Weltkrieg hatte der Beitrag der Künste sowohl zu den Deutschen Turnfesten in der Bundesrepublik Deutschland als auch zu den Turn- und Sportfesten der Deutschen Demokratischen Republik diese Erwartung zu erfüllen. Allerdings lässt die fortschreitende Entwicklung bis zu den Turnfesten und anderen Großveranstaltungen des Sport in den letzten Jahrzehnten eine zunehmende Differenzierung in der Haltung von Künstlern zum Sport erkennen.
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Die Aufträge, ein Turnfest auf vielfältige Weise künstlerisch-ästhetisch mitgestalten zu helfen, wurden – wie Willi Tröger in einer vergleichbaren Wahrnehmung zu Olympischen Spielen feststellte – zwar „vom Sport angestoßen“, aber dann „von Künstlern kongenial und eigenständig umgesetzt“, so dass ihr Beitrag zum Leitbild wurde. Solche Folgen hatten „die vielen Aufträge an Maler, Bildhauer, andere bildende Künstler oder Musiker, mit neuen Ideen dem sportlichen Fest einen Rahmen zu geben, der gerade dem Sport zusätzlichen Sinn verleiht, den Sport, die Aktiven und die Zuschauenden in eine bereichernde Dimension entführt“ (Tröger 1998, S. 50).
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In der Bundesrepublik dominierte in den ersten Jahren die abstrakte, gegenstandsfreie Kunst, sie folgte später den jeweiligen Trends in der Kunst der Moderne, wie der sich aus den USA verbreitenden Pop-Art-Strömung, orientierte sich aber auch an dem Erbe des deutschen Avantgardismus aus der Zeit der Weimarer Republik. So war die Ausstellung der Galerie der Stadt Tübingen anlässlich des Deutschen Turnfestes in Stuttgart 1973 „Sport und Spiel. Zeichnungen von Baumeister, Schlemmer, Wörn“ zweifellos eine eindrucksvolle Würdigung dieses kostbaren bildkünstlerischen Erbes. Die Stadt Stuttgart leistete einen wertvollen Beitrag mit der Ausstellung „Geschichte der Deutschen Turnbewegung“. Das Deutsche Turnfest in Frankfurt/Main 1983 bot den Teilnehmern und Besuchern sogar vier Ausstellungen: „Deutsche Turnfeste im Wandel der Zeiten“, „Turner im Kampf um Einheit und Freiheit 1848/49“, „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei – lustig ist die Turnerei“ und „Deutsches Turnfest 1889 – Deutsches Turnfest 1983. Ein Jahrhundert Turnerinnen und Turnerinnen-Kleidung. Vom Modebild bis Aerobic“. Auch die beiden Deutschen Turnfeste in Berlin (1968 und 1987) widmeten sich in Ausstellungen der Geschichte dieser Feste. In allen genannten Expositionen waren auch Werke präsent, die charakteristisch für die bildende Kunst in den jeweiligen historischen Epochen waren, noch mehr dokumentierten dies allerdings Erzeugnisse der angewandten Kunst. Die Anwesenheit künstlerischer Abbilder der Realität des Sports war die seltene Ausnahme. Das Interesse der bildenden Künstler der Bundesrepublik widerspiegelte sich indessen – in Abwesenheit von den Deutschen Turnfesten – in Figuren, in körperlicher Bewegtheit, ob im Sport, im Alltag oder in der Artistik. Diese künstlerische Sicht- und Gestaltungsweise stand über viele Jahre im diametralen Gegensatz zur bildenden Kunst in der DDR. Erst in der 70er Jahren wurde eine Tendenz der beiderseitigen Annäherung sichtbar.


Übersichtsskizze der 1. Deutschen Sportausstellung 1938 Breslau
Amtlicher Führer durch die Erste Deutsche Sport-Ausstellung Breslau 1938.
20. Juli bis 7. August im Poelzigbau an der Jahrhunderthalle
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Da das Deutsche Turnfest des Jahres 2002 in Leipzig stattfindet, in jener Stadt, die Gastgeber aller acht Turn- und Sportfeste der DDR war, könnten bestimmte Wahrnehmungen und Erfahrungen in diesem Wandlungsprozess, exemplarisch auf die Ausstellungen „Kunst und Sport“ bezogen, vielleicht von Interesse sein. Alle Komponenten der Turn- und Sportfeste seit 1954, vom visuellen Erscheinungsbild der Stadt über die Sportschauvorführungen, die Eröffnungs- und Abschlussfeiern und den Festzug bis zu den vielen kulturellen Veranstaltungen, wiesen die Handschrift unzähliger Künstler aller Gattungen auf. Während des II. Deutschen Turn- und Sportfestes 1956 wurde erstmals eine Auswahl von Werken der Malerei, Grafik und Plastik zum Thema Sport in einer Ausstellung gezeigt. Das allgemeine Interesse ermutigte zu systematischen Schritten in Richtung auf die Förderung von bildkünstlerischen Neuschöpfungen. Schon das Konzept für das IV. Turn- und Sportfest 1963 und dessen Realisierung lassen erkennen, wie sehr dabei die inspirierenden Ideen des Schöpfers der Olympischen Spiele, Pierre de Coubertin, eine „Hochzeit von Muskel und Geist“, also eine Verbindung von Kunst und Sport anzustreben und den Sport als „Gelegenheit und Auftraggeber für die Kunst“ zu verstehen, zur geistigen Schubkraft aller Bestrebungen auf diesem Gebiet wurden (Coubertin o. J., S. 86).
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Da auch die besten Ideen sich nicht im Selbstlauf in Realitäten wandeln, bemühten sich die Verantwortlichen der Sportorganisation (DTSB) um eine enge Zusammenarbeit mit den Institutionen und Verbänden der Kunst. Im Vorfeld der Feste fanden jeweils die Gespräche „Kunst und Sport“ mit Vertretern aller Kunstgattungen statt, wurden Aufrufe zur Mitarbeit der Künstler veröffentlicht, ein Kunstwettbewerb ausgeschrieben und ein Kunstpreis gestiftet. Die geistige Anregung der Künstler in Verbindung mit solchen praktischen Formen der Zusammenarbeit trug ihre Früchte. Das widerspiegelte sich besonders signifikant in neuen Werken der Malerei, Grafik und Plastik, die später noch durch Arbeiten der angewandten Kunst, der Fotografie und der Laienkunst ergänzt wurden. Sie wurden in den Ausstellungen „Kunst und Sport“ gezeigt, erstmalig 1963. Gemeinsam mit 82 Kunstwerken einer Auswahl „Von der Antike bis zur Gegenwart“ konnten 314 neu geschaffene und eingesandte Werke von Malern, Grafikern und Bildhauern präsentiert werden. Diese über alle Erwartungen hohe Beteiligung steigerte sich noch bei den späteren Expositionen.
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Spartakiadeteilnehmer besuchen die Ausstellung "Kunst und Sport" 
im Museum der bildenden Künste in Leipzig 1987

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Das erfreuliche Angebot der bildenden Kunst trug allerdings auch deutliche Spuren jener Zeit. Sie wurden nicht nur durch die schmerzlichen Nachwirkungen des Kahlschlags der Nazikulturpolitik gegen die moderne deutsche Kunst der 20er Jahre markiert, deren Kontinuität durch die Vernichtung unzähliger Kunstwerke und die Vertreibung bedeutender Künstler aus Deutschland brutal abgebrochen wurde. Empfindlichen Schaden richtete auch die unsägliche Formalismus-Diskussion Anfang der 50er Jahre an, die in äußerster Schärfe die „spätbürgerliche Dekadenz“, den „Avantgardismus“ und „Kosmopolitismus“ in der Kunst attackierte. Das verletzte direkt betroffene Künstler zutiefst, irritierte aber auch eine ganze Künstlergeneration und isolierte sie von der Kommunikation mit der Weltkunstentwicklung.
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Auch die Bestrebungen der offiziellen Kulturpolitik der DDR, den „sozialistischen Realismus“ im plattesten dogmatischen Verständnis und manchmal mit grotesken Forderungen durchzusetzen, hinterließen Spuren in der bildenden Kunst, die in den ersten Ausstellungen „Kunst und Sport“ nicht zu übersehen waren. Aber spätestens mit Beginn der 70er Jahre bildete sich zunehmend ein neues Selbstverständnis der bildenden Künstler heraus, das zur Besinnung auf echte Traditionen und zu Innovationen führte sowie nach Weltoffenheit strebte. Es entstanden Werke, die eine subjektive, differenzierende Sicht der Maler, Grafiker, Bildhauer und Fotografen auf die sie umgebende Umwelt artikulierten, den Sport eingeschlossen. Die Ausstellungen „Kunst und Sport“ anlässlich der Turn- und Sportfeste 1969, 1977, 1983 und 1987 beeindruckten durch die wachsende Vielfalt an gewählten Themen und an individuellen künstlerischen Handschriften wie auch durch die Freude am bildkünstlerischen Experiment.
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Vielfalt bedeutete in diesen Ausstellungen auch das Nebeneinander von – allerdings wenigen – bloßen Abbildern der Realität des Sports und von gewollten Vorbildern, auch von verklärenden Wunschbildern und vermeintlichen Zerrbildern zum Thema Sport. Entscheidend aber war, dass die Werke der bildenden Künstler jener Jahre Fragen nach dem Sinn des Lebens stellten, auch nach dem Sinn des Sports, vor allem des Hochleistungssports in allen seinen Aspekten und oft in bildkünstlerischen Metaphern. Sie waren in hohem Maße geeignet, die Besucher der Ausstellungen zum Dialog mit dem Kunstwerk geistig anzuregen.
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Das Konzept, das aus dem Gespräch „Kunst und Sport“ 1962 entstand und das durch die genannten systematischen Schritte realisiert wurde, hat sich ohne Zweifel bewährt. Aber diese Feststellung bedarf der Ergänzung durch eine wesentliche Erfahrung. Klangvolle Aufrufe an Künstler zur Mitgestaltung der Feste und zur Schöpfung von neuen Kunstwerken zum Thema Sport, effektives Management zur Realisierung von Kooperation mit Institutionen und Verbänden, von künstlerischen Wettbewerben, Kunstausstellungen und Kunstpreisen etc. reichen allein nicht aus, um zum Ziel zu kommen.
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Plastik "Mädchen mit Reifen" von Eberhard Roßdeutscher, 1965
Ausstellung "Kunst und Sport" zum V. Deutschen Turn- und Sportfest der DDR Leipzig 1969
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Vielfalt bedeutete in diesen Ausstellungen auch das Nebeneinander von – allerdings wenigen – bloßen Abbildern der Realität des Sports und von gewollten Vorbildern, auch von verklärenden Wunschbildern und vermeintlichen Zerrbildern zum Thema Sport. Entscheidend aber war, dass die Werke der bildenden Künstler jener Jahre Fragen nach dem Sinn des Lebens stellten, auch nach dem Sinn des Sports, vor allem des Hochleistungssports in allen seinen Aspekten und oft in bildkünstlerischen Metaphern. Sie waren in hohem Maße geeignet, die Besucher der Ausstellungen zum Dialog mit dem Kunstwerk geistig anzuregen.
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Das Konzept, das aus dem Gespräch „Kunst und Sport“ 1962 entstand und das durch die genannten systematischen Schritte realisiert wurde, hat sich ohne Zweifel bewährt. Aber diese Feststellung bedarf der Ergänzung durch eine wesentliche Erfahrung. Klangvolle Aufrufe an Künstler zur Mitgestaltung der Feste und zur Schöpfung von neuen Kunstwerken zum Thema Sport, effektives Management zur Realisierung von Kooperation mit Institutionen und Verbänden, von künstlerischen Wettbewerben, Kunstausstellungen und Kunstpreisen etc. reichen allein nicht aus, um zum Ziel zu kommen.
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Gemälde "Cours de la Paix" von Helmut Feliks Büttner, 1986
Ausstellung "Kunst und Sport" zum VIII. Turn- und Sportfest der DDR Leipzig 1987
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Die Atmosphäre, die das Entstehen von Kunst erzeugen hilft, ist von alles entscheidender Bedeutung. Sie kann nur durch enge persönliche Kontakte zwischen den Veranstaltern der Feste und den Künstlern entstehen, denn nur auf diese Weise werden feinfühlige Beobachtungen und offenherzige Erörterungen künstlerischer Ideenfindungen und Schaffens­prozesse möglich. Nur so entsteht eine verständnis- und anspruchsvolle Partnerschaft, die von gegenseitiger Achtung und Anerkennung getragen wird und die gemeinsam auch künstlerische Innovationen gegenüber allgemeinem Unverständnis verteidigt. Kurz gesagt: Der Schlüssel zum Erfolg ist eine geistige Verbundenheit, die jene Atmosphäre schafft, die das Entstehen von Kunst begünstigt.
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Bei allen Unterschieden in den Erfahrungen, die in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR im Zusammenwirken von Kunst und Sport generell und bei den Turnfesten speziell gewonnen wurden, ist eines gemeinsam: „Bei aller gegenseitigen Sympathie“ zwischen Kunst und Sport handelt es sich „um eine zerbrechliche Allianz“ (Tröger 1998, S. 50). Die Pflege dieser Beziehungen zur Förderung künstlerischer Kreativität bedarf deshalb in ganz besonderem Maße der Sensibilität wie auch der Nachhaltigkeit in der Gewinnung und Förderung des künstlerischen Potentials unseres Landes.
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Wenn also die Präsenz der Kunst immer ein Kennzeichen der Deutschen Turnfeste von ihren Anfängen 1860 bis zur Gegenwart – bei allen Unterschieden im Hinblick auf die jeweiligen Ausdrucksformen und den Aufwand – war, so sollte die Erinnerung an diese kostbare Tradition immer wieder zur erneuten Motivation werden, die besten Erfahrungen im Zusammenwirken von Kunst und Sport zu bündeln, um sie auch bei künftigen Festen wirksam werden zu lassen.
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Literatur
Coubertin, P.: Olympische Erinnerungen. – Berlin, o. J

Deutscher Turner-Bund (Hrsg.): Deutsche Turnfeste – Spiegelbild der Deutschen Turnbewegung. – Wiesbaden, 1987

Krampe, W.: Beiträge zu einer Aesthetik des Turnens. – In: Deutsche Turn-Zeitung. Blätter für die Angelegenheiten des gesamten Turnwesens. – Leipzig 30(1885)14. – S. ...-...

Tröger, W.: Olympische Solidarität ist eine Geisteshaltung. Zur Gründung der Willi-Daume-Stiftung. – In: Olympisches Feuer. – Frankfurt/Main 48(1998)5. – S. 47-50
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Prof. Dr. Günter Witt (Leipzig)

geb. 1925 in Stralsund;
1953-1955 Studium der Gesellschaftswissenschaften;
Abschluss als Diplomgesellschaftswissenschaftler;
1965 Promotion und 1980 Habilitation an der Philologischen Fakultät der Universität Leipzig;
ab 1976 Tätigkeit als Hochschullehrer an der Deutschen Hochschule für Körperkultur Leipzig;
1982 Professur;
1990 Versetzung in den Ruhestand

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