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Wie alles seinen Lauf nahm ...
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Der ehemalige Vorsitzende des Fördervereins erinnert sich an die zurückliegenden 10 Jahre

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Eigentlich wollte ich Ende März 1991 nur einmal im – damals bereits geschlossenen – Leipziger Sportmuseum vorbeischauen, um nachzufragen, ob es Unterlagen über die Gründung des Sächsischen Radfahrer-Bundes im Bestand gibt. Das 100-jährige Jubiläum unseres Verbandes sollte am 10. Oktober 1991 gefeiert werden, und einige Mitstreiter und ich hatten auf einer Zusammenkunft die Wiedergründung dieses traditionsreichen Bundes beschlossen. Nach einem ersten kurzen Gespräch mit der verantwortlichen Leiterin der Einrichtung, Frau Dr. Gerlinde Rohr, wurde ein zweiter, ein dritter und schließlich ein vierter Termin vereinbart. Dabei lernte ich die Sorgen und Nöte des Museums kennen, erfuhr von einer angedachten Auflösung der zum Teil einzigartigen Sammlungen sporthistorischer Sachzeugen und entschloss mich spontan, mitzuhelfen, um das zu verhindern.
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Die Idee wurde geboren, einen Förderverein zu gründen und ihm die Aufgabe zu übertragen, den gefährdeten Museumsfundus zusammenzuhalten und für spätere Präsentationsmöglich­keiten aufzubewahren. Dazu mussten die notwendigen Regularien recherchiert, eine Satzung erstellt und kompetente, mit der Sportgeschichte vertraute Persönlichkeiten für eine Mitarbeit im Verein gesucht und gefunden werden. Am 10. Oktober 1991 war es schließlich soweit: 31 stimmberechtigte Gründungsmitglieder und 19 Gäste versammelten sich in der „Alten Börse“ am Leipziger Naschmarkt und hoben den „Förderverein Sächsisches Sportmuseum Leipzig e. V.“ aus der Taufe.
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Nach langem Drängen hatte ich mich bereit erklärt, für das Amt des 1. Vorsitzenden – bis zur Mitgliederversammlung 1992 – zu kandidieren und gemeinsam mit den vorgeschlagenen und letztlich auch gewählten Vorstandsmitgliedern Wilfried Behlert, Andreas Decker, Dr. Klaus Liebold, Prof. Dr. Harold Tünnemann und Dr. Petra Tzschoppe sofort an die Arbeit zu gehen. Das einstimmige Wahlergebnis und das damit dokumentierte Vertrauen gab uns den nötigen Rückhalt.
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Als erster Höhepunkt ging 1992 die Ausstellung „OlympART – Diplome und Medaillen der Olympischen Spiele“, die die Vereins- bzw. Vorstandsmitglieder gemeinsam mit den Museumsmitarbeitern im Neuen Rathaus gestaltet hatten, in die Vereinsgeschichte ein. Über dem Leipziger Sportmuseum hing zur damaligen Zeit das Damoklesschwert der Abwicklung, und es war ihm – u. a. von der zuständigen Kulturamtsleiterin Frau Matthias – untersagt worden, unter eigenem Namen an die Öffentlichkeit zu treten. Der frisch ins Amt eingetretene heutige Beigeordnete für Kultur, Dr. Georg Girardet, erwies sich als verhandlungsbereiter und erteilte dem Förderverein die Genehmigung, gemeinsam mit den Museumsmitarbeitern die o. g. Exposition vorzubereiten. Die Olympia-Präsentation unter Federführung des Vereins wurde zu einem wichtigen Signal: Die sporthistorischen Sammlungen des Museums gibt es noch, und sie sind es wert, dass man sie rettet! Das Eis war gebrochen, und mit dem ersten Erfolg wuchs unser Selbstvertrauen, auch wenn der Oberbürgermeister, Dr. Hinrich Lehmann-Grube, trotz einer persönlichen Einladung vor Ort nicht zu bewegen war, die Olympia-Ausstellung in „seinem“ Amtssitz zu besuchen ...

 

Eine Fülle von Aktivitäten hielt uns in den Folgejahren auf Trab. Zahlreiche Ausstellungen und Präsentationen konnten durch den Förderverein finanziell und werbemäßig begleitet werden, darunter 1993 zu 100 Jahren Arbeitersport in Deutschland, 1995 zum 150. Jahrestag der Gründung des Allgemeinen Turnvereins zu Leipzig von 1845 e. V., 1996 zum Jubiläum 40 Jahre Leipziger Zentralstadion oder 1998 zum 100. Geburtstag des Sportwissenschaftlers Prof. Dr. Kurt Meinel und dem 5. Jahrestag der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig, um nur einige zu nennen. Von sich reden machte der Verein aber auch durch die Einberufung der 1. Tagung der Fördervereine (sport)musealer Einrichtungen in Deutschland, die im November 1996 in Leipzig stattfand und mit rund 40 Teilnehmern aus neun Bundesländern über die Frage diskutierte: „Ein (Sport)Museum fördern – aber wie?“.
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Auch unser vereinseigenes Mitteilungsblatt, das 1993 erstmals herausgegeben wurde, wandelte sich im Laufe der Jahre von einem aus Schwarz-weiß-Kopien bestehenden, vier Seiten umfassenden und in nur geringer Stückzahl erscheinenden Informationsblättchen zu einer professionell gestalteten Vereinszeitschrift, die viermal im Jahr erscheint, mit bis zu 52 Seiten Umfang und einer maximalen Auflage von 5.000 Stück an die Öffentlichkeit tritt, rund 450 Abonnenten hat und sich mit seinen thematischen, sportgeschichtlich angelegten Beiträgen in der Fachwelt einen Namen gemacht hat. Für den Verein war es schon eine Genugtuung, zum 5. Jahrestag seiner Gründung das erste Heft in diesem neuen Outfit präsentieren zu können.

 

Das Sportmuseum Leipzig zog um, und der Verein half beim „Kofferpacken“ – das erste Mal im Sommer 1992, als die Einrichtung vom Sportforum in die ehemalige „Iskra“-Gedenkstätte „zwangsausquartiert“ wurde und Teile seiner Sammlungen in weiteren sechs Außenlagern unterbringen musste, das zweite Mal im Herbst 1996, als die Stadt Leipzig der unbefriedigenden Interimslösung in Leipzig-Probstheida ein Ende setzte und dem Museum ein neues Domizil in der Friedrich-Ebert-Straße 130 gab. Verpacken, Beschriften, Auf- und Abladen – ein gezieltes Krafttraining ist nichts dagegen! Doch die besseren Bedingungen am jetzigen Standort entschädigten für den Stress.

 

Das Jahr 1997 brachte ein großes Ereignis: Das Sportmuseum Leipzig wurde 20 Jahre alt und beging dieses Jubiläum mit einem festlichen Empfang in den neuen Museumsräumen, einer Pressekonferenz und „Tagen der offenen Tür“, die in der Folgezeit zu einem jährlichen Höhepunkt der Öffentlichkeitsarbeit werden sollten. Dem Anlass gemäß erschien das Vereinsmitteilungsheft „Sportmuseum aktuell“ erstmals mit einem im Vierfarbdruck erstellten Umschlag, der im wörtlichen und übertragenen Sinne deutlich machte: Es kommt (wieder) Farbe ins Spiel!

 

Die Erfolge ermunterten natürlich: Eine Finanzspritze vom NOK Deutschland, die dem Verein zur Förderung des Leipziger Sportmuseums überwiesen worden war, versetzte uns in die Lage, die Einrichtung mit moderner Computer- und Kommunikationstechnik auszustatten sowie wertvolle Sammlungen und Einzelstücke anzukaufen. War die Talsohle nun endlich durchschritten?

 

Die Anforderungen an den Förderverein wuchsen mit der ständig steigenden Präsenz. Neue Großprojekte wurden in Angriff genommen: Eine Dokumentation „Historische(r) Sportstätten in Leipzig“ sollte entstehen und in mehreren Bänden publiziert werden. Ein Stab an zeitweise sieben Mitarbeitern auf ABM-Basis und zwei Honorarkräften machte sich an die Realisierung dieses Vorhabens und schaffte es, den ersten Band, „Leipziger Bäder und Badeanlagen“, bis zur Veröffentlichungsreife fertigzustellen. Frau Dr. Zeidler, die unzählige ehrenamtliche Stunden zusätzlich geleistet hat, und ihren nicht minder einsatzfreudigen Mitstreitern gebührt an dieser Stelle Dank und Anerkennung für das Geleistete!

 

Ein weiteres großes Projekt war die Teilnahme des Fördervereins mit dem Vorführ- und Mitmachprogramm „Komm, spiel mit mir! Alte Spiele – wiederentdeckt“ am 3. Weltfestival der traditionellen Sportkulturen 2000 in Hannover, das im Rahmen der Expo 2000 veranstaltet wurde. Jahrelang hatten die pädagogischen Mitarbeiterinnen des Sportmuseums Leipzig Karin Stöbe, Silke Klose und Silke Eskandari mit der Sportlehrerin der Herderschule Leipzig, Frau Kneffel, und einer Gruppe spiel- und bewegungsfreudiger Kinder für ein schauwirksames Programm trainiert, und nun war es Wirklichkeit geworden: Die Kindergruppe zeigte einem internationalen Publikum, wie vor rund hundert Jahren in Deutschland auf Straßen, Plätzen und Höfen gespielt wurde, welche Utensilien man dazu benötigte, welche Kleidung man trug, welche Abzählreime man kannte ... Die Veranstaltung wurde ein voller Erfolg und zog zahlreiche weitere Auftritte in Leipzig und Umgebung nach sich. Und auf den T-Shirts der jungen Sportler – das Logo des Fördervereins!

 

1999 stand im Verein wieder einmal eine Wahlversammlung an. Ich beschloss, nach langer Überlegung, ein weiteres – inzwischen das fünfte – Mal zu kandidieren und wurde gewählt. Ich ließ mich davon leiten, dass wir trotz aller erzielten Fortschritte unsere Hauptaufgabe, das Sportmuseum wieder zu einem festen Bestandteil der Leipziger Kulturszene werden zu lassen, noch immer nicht erfüllt hatten. Dazu gehört in jedem Falle eine Dauerausstellung in einem repräsentativen Gebäude der Stadt Leipzig und die Möglichkeit zu einer wissenschaftlich fundierten Erfassung, Dokumentation und Aufbewahrung des inzwischen auf 80.000 Sachzeugen der Sportgeschichte angewachsenen Fundus’.

 

Das Jahr 2000 brachte gleich zu Beginn das Jubiläum „100 Jahre Deutscher Fußball-Bund“ nach Leipzig und motivierte Sportmuseum und Förderverein zu eigenständigen Beiträgen. Wir bereiteten eine großartige Zeitschrift vor, die bundesweit hohe Anerkennung fand und findet, uns jedoch leider ein riesiges Loch in die Vereinskasse riss, weil wir zu blauäugig darauf gebaut hatten, vom reichen DFB finanziell besser unterstützt zu werden. Unsere Erwartungen wurden enttäuscht ...

 

Dann kam die Ausgabe 3-4/2000 von „Sportmuseum aktuell“, in der wir berichteten, wie in der Vergangenheit die Olympischen Spiele schon einige Male „fast“ nach Leipzig gekommen wären. Ob unsere Artikel den Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee und seinen Beigeordneten Burkhard Jung dazu inspiriert haben, auf der NOK-Tagung im Herbst 2000 Leipzig als möglichen Bewerber für Olympia 2012 bzw. 2016 vorzustellen? Die Pläne sind inzwischen hochaktuell, auch wenn mancher sich ein solches Ereignis in unserer Stadt nur schwer vorstellen kann, betrachtet man den jetzigen Stand der Infrastruktur und vor allem den der Sportstätten. Aber es hat sich ja schon mehr als einmal gezeigt, dass kühne Visionen Dinge in Gang setzen können, die einst für unrealistisch gehalten wurden ...



Nach fast zehn Jahren Tätigkeit habe ich den Vereinsvorsitz im Frühjahr dieses Jahres nun endgültig in jüngere Hände gelegt. Meine Nachfolgerin Petra Tzschoppe heißt nicht nur fast so wie ich, sondern sie engagiert sich mit dem gleichen Elan für die Belange des Fördervereins, wie ich es getan habe. Ich wünsche ihr, den Mitarbeitern des Museums und der ehrenamtlichen Crew des Vorstandes auch weiterhin bei allen Entscheidungen eine glückliche Hand und viel Erfolg für die nächsten zehn Jahre. Denn es bleibt viel zu tun. Neben dem Kampf um ein „richtiges Zuhause“ für das Leipziger Sportmuseum sowie der Begleitung und Unterstützung des von uns mit auf den Weg gebrachten „Vereins Goetz-Haus Leipzig e. V.“ ist die Stabilisierung der Finanzlage eine der nächsten Schwerpunktaufgaben.

 

Ich hoffe, dass meine – vor einigen Jahren noch belächelte – Prognose, im Jahr 2000 wieder eine Dauerausstellung im Sportmuseum Leipzig zu präsentieren, in nicht mehr allzu langer Zeit Realität wird. Ich gebe einfach noch zwei Jahre hinzu ...

 

Wolfgang Schoppe
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