
Dr.Karl Lennartz bei der Eröffnung
des Symposiums |
Die
Leitung des Symposiums hatten der Vorsitzende der DAGS Dr. Karl Lennartz
(Köln) und der 1.Vorsitzende des
Fördervereins Sächsisches Sportmuseum Leipzig e.V. Dr. Manfred Merkel
übernommen. Als Schirmherr der Veranstaltung, der auch ein persönliches
Grußwort an die Symposiumsteilnehmer richtete, fungierte der Ehrenvorsitzende
des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (NOK) und Mitglied
des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Prof. Walther Tröger.
Vom Ministerpräsidenten des Freistaates
Sachsen, Prof. Dr. Georg Milbradt, der ebenfalls
die Schirmherrschaft über das Symposium übernommen hatte, war ein
Grußschreiben eingegangen. |
| In
seinem Grundsatzreferat zum Thema "Sport als Kulturgut" referierte Prof.
Dr. Ommo Grupe von der Universität Tübingen über das Verständnis
von Kultur in unserer heutigen Zeit, über die Tendenz der "Versportlichung
der Kultur" und die damit einhergehenden
Probleme sowie über die Frage, ob und - wenn
ja - unter welchen Bedingungen Sport als Kulturgut zu fassen sei und welche
Anforderungen an die Gesellschaft daraus erwachsen. |

v.l.: Prof. Walther Tröger, Dr.
Manfred Merkel und
Prof. Dr. Ommo Grupe |
Letztlich
gelangte er zu dem Schluss, dass nur ein kulturelles Gedächtnis (Museum) der
Aufbewahrung, Erhaltung, Pflege und Entwicklung von Sportkulturgütern in
erforderlichem Umfang Rechnung tragen könne.
Diese Feststellung ist deshalb richtungsweisend, weil gerade in Zeiten knapper
Kassen die Kommunen zuerst in den Bereichen Kultur und Sport "den Rotstift
ansetzen" und Sparmaßnahmen durchzusetzen versuchen, was zu einem noch
nicht zu überschauenden Kulturdefizit führen könnte. |

v.l. Prof. Dr. Katharina Flügel,
Prof. Dr. Hans-Dietrich Jacob, und Dirk Mansen |
Prof.
Dr. Katharina Flügel von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und
Kunst (HTWK), Fachbereich Buch und Museum, äußerte sich zum Thema
"Museologie" und reflektierte den aktuellen Stand der Diskussionen um
Begriffe wie "Museum", "Museologie", und
"Musealität". Ergänzt wurde sie durch ihren Kollegen Prof. Dr.
Hans-Dietrich Jacob, der über die Ausbildung von Diplom-Museologen sprach
und dabei besonders auf den seit nunmehr fast 40 Jahren in Leipzig angesiedelten
Studiengang Museologie hinwies.
. |
| Ganz
andere Erfahrungen im Umgang mit Museumsgut vermittelte Dirk Mansen,
Leiter des HSV-Museums (Hamburger-Sport-Verein). Als "Hall of
Fame" am 7.Februar 2004 in der AOLArena eröffnet, zeigt die Ausstellung
auf 600 m² historisch detailliert die Geschichte eines der ältesten
Fußballvereine und gibt Einblick in die mehr als 20 Sportarten, die im
Universalverein betrieben werden. Interaktive Momente, Hörstationen und
Dioramen schaffen eine Atmosphäre, die weit über die des üblichen
Traditionszimmer mit Siegerpokalen, Urkunden und Plakaten hinausgeht. |
| Dr.
Hans Stollenwerk, Diplompsychologe und Soziologe aus Köln, ging in
seinem Beitrag auf Ergebnisse einer von ihm durchgeführten "Analyse der
Besucher im Deutschen Sport- und Olympia-Museum Köln" ein. Anhand einer
breit angelegten Studie, die auf Besucherbefragungen basierte und über den
Zeitraum eines Jahres durchgeführt wurde, konnte er belegen: Lage und
Bekanntheitsgrad eines Museums sind wichtige Voraussetzungen für hohe
Besucherzahlen. Mehr noch entscheiden zielgruppenspezifische Angebote,
"bewegende" Aktions- und Interaktionsbereiche, Exponate zum Anfassen
und Ausprobieren sowie eine gekonnte Verbindung von Unterhaltung und
Wissensvermittlung über die Annnahme der Einrichtung durch das Publikum. |

v.l. Dr. Hans Stollenwerk, Dr.
Hans-Georg Kremer, und Friederike Kaiser |
"Vom
studentischen Fechten bis zur Gründung eines sportwissenschaftlichen Instituts
- eine Fotosammlung als wertvolle Quelle für die Sportgeschichte" hatte Dr.
Hans-Georg Kremer, Dozent an der Universität Jena, seinen Beitrag
betitelt. In seinen Ausführungen ging er auf das 1999 begonnene Projekt ein,
die Vereinsgeschichte des USV Jena aufzuarbeiten und mit vorhandenem
Bildmaterial zu belegen. Anhand der inzwischen zusammengetragenen Zeichnungen,
Stammbuchbilder und Fotografien - der Bestand weist mehr als 20.000 aus, von
denen einige bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen - lässt sich
rekonstruieren: |
Leibesübungen
waren schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts an der Universität zum
"Pflichtfach" geworden.
Den letzten Vortrag an diesem Tag hielt Friederike Kaiser, Leiterin des Alpinen
Museums des Deutschen Alpvereins München. Sie ging auf den engen
Zusammenhang von Alpinismus (Beschäftigung mit der Bergwelt) und Sport ein und
machte deutlich, dass schon die Anfänge des Bergsteigens im 18. Jh. nicht nur
mit dem Wunsch nach wissenschaftlicher Erforschung verbunden waren, sondern auch
mit dem Bedürfnis der Bergbesteigung an sich - aus Entdeckerfreude und
persönlichem Ergeiz.
. |

Mit einem gemeinsamen Abendessen im
Traditionsrestaurant Auerbachs Keller und vielen Gelegenheiten zum
Kennenlernen und Gedankenaustauschen ging der erste Tag des Symposiums zu Ende. |
| Der
2. Tag begann mit einem interessanten Vortrag von Diethard Hensel aus
Roderaue/Sachsen, der den Bereich Philatelie des Vereins Internationale
Motivgruppen Olympiaden und Sport e.V. (IMOS) vertrat. Nach einer kurzen
Vorstellung der IMOS, die über 500 Mitglieder in mehr als 40 Länder hat, sowie
ihrer Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit - zuletzt machte der Verein mit der
OLYMPHILEX 2004 während der Olympischen Sommerspiele in Athen 2004 auf sich
aufmerksam - informierte der Referent die
Anwesenden noch darüber, dass die IMOS im Jahr 2005 ihren Kongress in Leipzig
abhalten und zwei Leipziger Olympiamedaillengewinner mit Poststempeln ehren
wird: Heinrich Schomburgk (Gold 1912 im Tennis) und Carl-Ludwig "Luz"
Long (Silber 1936 im Weitsprung). |
v.l. Diethard Hensel und Dr.
Gerlinde Rohr |
Ausführlich
ging Dr. Gerlinde Rohr, Leiterin des zum Stadtgeschichtlichen Museum
Leipzig gehörenden Sportmuseums Leipzig, auf die nun zwölf Jahre
anhaltende Misere ihrer Einrichtung ein: Das zu DDR-Zeiten bekannte und gut
besuchte Museum musste nach der Wende seinen Standort im Leipziger
Zentralstadion verlassen und in Ausweichquartieren um seine Existenz bangen. Mit
neuen Sammlungs- konzepten und überzeugenden Ausstellungen, von denen hier nur
drei genannt werden sollen: "OLYMPART. Diplome und Medaillen der |
| Olympischen
Spiele" 1992, "Was mit Reck und Barren begann ..." 1995 und
"SPORT:SCHAU. Deutsche Turnfeste 1860 - 2002" im Jahre 2002,
versuchten die beiden festangestellten Museumsmitarbeiter und der 1991
gegründete Förderverein Sächsisches Sportmuseum Leipzig e.V. Kommune
und Bevölkerung davon zu überzeugen, dass eine an Sporttraditionen so reiche
Stadt wie Leipzig auf ein eigenes Sportmuseum nicht verzichten könne. |

Gruppenbild der Symposiumsteilnehmer
im Garten des renovierten Goetz-Hauses |
Höhepunkt
des Rahmenprogramms der Tagung war eine Stadtrundfahrt, die uns neben den
Sehenswürdigkeiten Leipzigs auch einen Teil der historischen und modernen
Sportstätten der Stadt näher brachte. Ein Highlights der Besichtigungstour war
der Besuch des Goetz-Hauses in der Lützner-Straße 11, das Dr. Ferdinand Goetz
als Wohnhaus und jahrelanger Sitz der Geschäftsführung der Deutschen
Turnerschaft gedient hat.
. |
| Der
Geschäftsführer der DAGS, Dr. Jürgen Buschmann vom Carl und
Liselott Diem-Archiv (CuLDA) an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS),
referierte über die Aufgaben des CuLDA als olympische Forschungsstelle. |
v.l. Dr. Jürgen Buschmann, Prof.
Dr. Michael Krüger und Marianne Helms |
"Zum
Verlust der Sportgeschichte in Deutschland" sprach Prof. Dr. Michael
Krüger von der Universität in Münster. Der Vorsitzende der
dvs-Sektion Sportgeschichte machte darauf aufmerksam und belegte dies auch mit
Untersuchungen, dass die Bedeutung der akademischen sporthistorischen Forschung
und Lehre im Rahmen der Sportwissenschaft und des Sportstudiums sinkt - und
dass, obwohl das Interesse an sporthistorischen Themen und Fragen in der
allgemeinen Geschichte, in der Kultur- und Sozialgeschichte oder auch in der
historischen Anthropologie gewachsen ist. Auch das |
öffentliche
Interesse an der Beschäftigung mit Sportgeschichte hat - was nicht zuletzt die
Existenz der DAGS beweist - zugenommen. Welche Ursachen hat diese
gegensätzliche Entwicklung, und welche Folgerungen sind aus ihr zu ziehen?.
Prof. Dr. Michael Krüger versuchte, darauf Antworten zu geben und prägte in
diesem Zusammenhang einen Begriff, den sich wohl jeder Tagungsgast notierte:
"Graswurzelhistoriker". Gemeint seien damit all jene Historiker, die
zwar keine wissenschaftliche Ausbildung vorweisen können, aber "von unten
gewachsene, bodenständige" Fachleute auf ihrem Gebiet seien.
.
Anschließend ging Marianne Helms vom Niedersächsischen
Institut für Sportgeschichte Hoya e.V. (NISH) auf Entstehung und
Entwicklung der von ihr vertretenen Einrichtung ein und erläuterte Aufgaben und
Zweck des regional wie national anerkannten Instituts, das sich der
Dokumentation, Darstellung und Nutzbarmachung der vorrangig niedersächsischen
Sportgeschichte widmet. |
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Zum
Abschluss des Symposiums gab es viel Lob für den DAGS-Vorstand um Dr. Karl
Lennartz und den Geschäftsführer Dr. Jürgen Buschmann für diese gelungene
Veranstaltung. Dr. Karl Lennartz gab das Lob direkt an den Organisator vor
Ort, Dr. Manfred Merkel vom Förderverein Sächsisches Sportmuseum Leipzig e.V.
weiter, der mit seinen Vereinskollegen Dr. Gerlinde Rohr, Ursula Gundlach,
Sabine Schmidt und Werner Fritz für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung
gesorgt hat.
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Eine
Tausch- und Sammlerbörse im Schützenhof Leipzig - in Zusammenarbeit mit der
IMOS, namentlich Diethard Hensel - am dritten Tag, rundete die Veranstaltung ab.
Neben der Möglichkeit eigene Tauschware anzubieten konnte auch nach fehlenden
Teilen oder Schnäppchen gesucht werden.
Aus Anlass des DAGS-Symposium hat die Bundespost einen Sonderstempel gesponsert,
der natürlich sehr begehrt war. |
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v.l. Elke Sehmisch, Klaus Ampler und
Klaus Köste |
Der
größte Andrang herrschte aber bei den zwei Autogrammstunden, ehemaliger
erfolgreicher Leipziger Sportler.
Zu Gast waren: Erika Zuchold, Turnen, 3 x
Silber und 1 x Bronze, OS 1968 und 1972 - Ute Brückner- Hascher, Schwimmen,
Weltmeisterin über 4 x 100 m Freistilstaffel 1975 - Klaus Köste, Turnen,
Gold OS 1972, 3 x Bronze OS 1964, 1968 und 1972 - Klaus Ampler, Radsport, Sieger
Friedensfahrt 1963, Radsport-Trainer - Jan Schur, Radsport, Gold OS 1988 100 km
Mannschaftszeitfahren - Elke Sehmisch, Schwimmen, Silber OS 1972, 4 x 100m
Freistilstaffel und 2 x Europameisterin 1970 - Dr. Manfred Merkel,
Wildwasser-Kanu, mit 8 Weltmeistertitel der bis heute erfolgreichste
Wildwasserkanute der Welt. |
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